Landkreis Uelzen droht Ärztemangel: Telemedizin gewinnt an Bedeutung / Projekte werden entwickelt

Direkter Draht zum Arzt: Telemedizin gewinnt in Uelzen an Bedeutung

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Uelzen steuert auf einen Ärztemangel zu. Mit Hilfe von Technik soll die medizinische Versorgung weiter gewährleistet sein.

Uelzen/Landkreis. Die Zahlen lassen keine andere Diagnose zu: Der Landkreis Uelzens steuert auf einen Ärztemangel zu. Von den 70 Hausärzten, die sich zwischen Bienenbüttel und Bodenteich niedergelassen haben, sind 30 Mediziner älter als 58 Jahre.

Bei den Fachärzten ein ähnlich düsteres Bild: „Jeder Dritte ist hier im fortgeschrittenen Alter“, sagt Dr. Gerhard Wermes, Leiter des Uelzener Gesundheitsamtes. Was fehlt, um eine medizinische Unterversorgung zu verhindern, ist der Ärzte-Nachwuchs. Seit der Wiedervereinigung sank die Zahl der Medizinstudenten. Wermes ist sich sicher: Bis womöglich die Bundesregierung mit mehr Studienplätzen gegensteuert, wird es zu spät sein: Jetzt müssten Lösungen für den Landkreis gefunden werden. Ein Ansatz, der diskutiert wird: die Telemedizin.

In Mecklenburg-Vorpommern erfolgen Arztbesuche bereits per Mausklick. Über eine Videoverbindung können Patienten auf dem Land den Arzt in der Stadt konsultieren oder Mediziner sich auch schnell Hilfe bei einem Fachkollegen holen. Dr. Gerhard Wermes: „Über die Telemedizin kann fachärztliche Qualifikation in die Fläche gebracht werden.“ Schon jetzt gibt es keinen Spezialisten für Blutgerinnungsstörungen im Landkreis Uelzen, nennt er ein Beispiel.

Ärzte wie Kreisbewohner wollen in den nächsten Monaten in einer Arbeitsgruppe ausloten, wie sich Telemedizin für eine bessere medizinische Versorgung im Landkreis einsetzen lässt. Grobe Ideen wurden von ihnen dazu bei Uelzens erster Gesundheitskonferenz gesammelt. Ausgearbeitete Projekte könnten mit Hilfe des Landes finanziert werden. Denn Uelzen zählt zu den 28 sogenannten Gesundheitsregionen Niedersachsens. Sie wurden vom Sozial- und Gesundheitsministerium etabliert, um die medizinische Versorgung in der Fläche langfristig zu gewährleisten. Als Teil des Programmes wurde auch die Gesundheitskonferenz organisiert. Sie zählte knapp 200 Besucher, die sich auch mit der pflegerischen Versorgung und der Prävention beschäftigten (Siehe „Auf einen Blick“).

Voraussetzung für die Telemedizin im ländlichen Raum sind Internetverbindungen, über die auch große Datenmengen fehlerfrei verschickt werden können. Vorstellbar ist für Wermes beispielsweise, dass Arzthelferinnen zu Patienten herausfahren und ein EKG erstellen. Ein Arzt, der die Ergebnisse zugeschickt bekommt, könnte über eine Videoverbindung nach einer Auswertung die Behandlung festlegen. Der Landkreis will schnelles Internet mit Hilfe eines Glasfasernetzes für die Region sicherstellen. Projekten zur Telemedizin kommt das zupass.

Von Norman Reuter

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