„Dieses Schreiben ist tendenziös“

Die Zukunft der Suderburger Hardautal-Schule liegt Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz am Herzen. Sein Elternbrief zum Thema IGS verärgert jedoch die Stadt Uelzen. Foto: phs /Montage: ska

Uelzen/Suderburg. Jürgen Markwardt wählte seine Worte mit Bedacht – und doch waren sie eindeutig: „Das ist kein Verhalten, vor dem wir uns allzu tief verbeugen“, übte Uelzens Schuldezernent auf einem Infoabend der Stadtverwaltung zu den verschiedenen Schulformen jetzt scharfe Kritik an der Samtgemeinde Suderburg.

Der Stein des Anstoßes: Samtgemeindebürgermeister Friedhelm Schulz hatte den von der Uhlenköperstadt verteilten Fragebögen zur möglichen Gründung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) in Uelzen ein Schreiben mit dem Titel „Ergänzender Hinweis der Samtgemeinde Suderburg zur IGS-Elternbefragung“ beigefügt.

Auf zwei DIN-A4-Seiten weist Schulz die Eltern darauf hin, „dass – wenn es zur Errichtung einer IGS in Uelzen kommen sollte – die bereits im nächsten Schuljahr 2011/12 an den Start gehende Suderburger Oberschule dadurch Auslastungsprobleme bekommen wird“. Zudem spricht der Suderburger Verwaltungschef in dem Schreiben von „den bekannten Nachteilen einer Riesenschule IGS“. Schulz rät den Eltern daher, auf dem Fragebogen nur dann ein Votum für eine IGS abzugeben, „wenn Sie für ihr Kind definitiv den Besuch einer Gesamtschule (IGS/KGS) mit erheblich größeren Klassengrößen und mindestens fünf Parallelklassen bei insgesamt acht Jahrgängen fest einplanen und den Besuch einer anderen Schule bereits jetzt ausschließen“. Abschließend empfiehlt Schulz: „Von der Abgabe eines vorsorglichen Votums zum Besuch einer IGS/KGS raten wir ab, weil diese Stimmen den tatsächlichen Bedarf verfälschen.“

Markwardt reagiert darauf mit deutlicher Kritik. „Dieses Schreiben ist tendenziös“, sagt er auf Anfrage der AZ. „Darin werden Zusammenhänge dargestellt, die so nicht tragbar sind.“ Vor allem sei es von Schulz „recht mutig dargestellt“, dass der Start der Oberschule in Suderburg zum nächsten Schuljahr bereits beschlossen sei. Hierzu habe das Land aber noch keine Entscheidung getroffen.

Markwardt ärgert sich auch, dass die Samtgemeinde ihr Schreiben ohne Absprache mit der Stadt Uelzen veröffentlicht hat. „Wir hätten gar nichts davon erfahren, wenn uns nicht eine Mutter informiert hätte“, sagt er. Zudem seien einige Exemplare per Heftklammer am IGS-Fragebogen der Stadt befestigt worden. Das erwecke den falschen Eindruck, dass beide Schreiben inhaltlich zusammengehörten, kritisiert Markwardt.

Deutlich gelassener reagiert er auf einen Infobrief der Suderburger Hardautal-Schule, den diese ebenfalls dem Fragebogen beigefügt hat. Darin werden die Vorzüge einer Oberschule angepriesen. Das sei aber weniger zu beanstanden, meint Markwardt.

Die Samtgemeinde habe den Brief verfasst, weil sie sich um die Zukunft des Schulstandortes Suderburg sorge, erklärt Bürgermeister Friedhelm Schulz gegenüber der AZ. „Man kann sich an zwei Fingern abzählen, dass die Situation für unsere Hardautal-Schule durch eine IGS in Uelzen auf keinen Fall besser wird“, meint er und favorisiert deshalb die Gründung einer Oberschule. Allerdings sei das Schreiben nicht als Warnung an die Eltern gedacht, sondern lediglich als Denkanstoß.

Das Samtgemeinde-Logo auf dem Brief sei ein eindeutiger Hinweis darauf, dass dieser nichts mit Uelzen zu tun habe, meint Schulz. Dennoch zeigt er sich auch selbstkritisch: „Es wäre vielleicht sinnvoll gewesen, die Stadt vorher darüber zu informieren. Aber im Brief steht nichts drin, was das Vorhaben der Stadt, eine Elternbefragung durchzuführen, boykottiert.“

Von Bernd Schossadowski

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