Ukraine-Projekt der Stadtwerke: Erste Aufarbeitung vor Gericht

Der Dienstwagen als Pfand

+

Uelzen/Lüneburg. Die Ukraine hat ihre eigenen Gesetze – und wer dort Geschäfte macht, muss verdammt aufpassen, um nicht übers Ohr gehauen zu werden.

Den früheren Geschäftsführern der SBE ist das zu Genüge passiert – und der neue Mann an der Spitze der Gesellschaft, die für die Stadtwerke Uelzen das Landwirtschaftsprojekt in der Ukraine betreibt, ist entsprechend auf der Hut, damit ihm nicht dasselbe Schicksal widerfährt. Und so ist es gestern vor dem Landgericht Lüneburg nicht damit getan, sich auf die knapp 50 000 Euro zu einigen, die der gefeuerte Betriebsleiter Roman K. bekommen soll, um den Rechtsstreit mit ihm zu beenden. Denn da sind ja noch der 28 000 Euro teure Dienstwagen, den K. bis heute als Pfand behält, obwohl er schon seit Mai nicht mehr arbeitet. Auch sein Dienstlaptop hält der geschasste Betriebschef nach wie vor unter Verschluss. Die 7. Zivilkammer unter Richter Klaus-Rainer Strunk erarbeitet schließlich einen „Übergabeplan“. Zunächst sind 30 000 Euro fällig, im Gegenzug wird der Dienstwagen wieder auf den landwirtschaftlichen Betrieb der SBE gefahren. Für die restlichen knapp 20 000 Euro gibt es dann auch das Laptop zurück. Sieger will es sich überlegen – und gibt in seinen Ausführungen Einblicke, mit welchen Widrigkeiten er bei dem Projekt in den vergangenen Monaten zu kämpfen hatte. Da sind die regelmäßigen Kraftstoff-Diebstähle, denen es Einhalt zu gebieten galt. Navigationsgeräte für Traktoren sind verschwunden und manch weitere Ausrüstungsgegenstände – „ein Schaden von bestimmt 50 000 Euro“, bilanziert der SBE-Geschäftsführer. Seine Vorgänger seien mit dem Projekt hoffnungslos überfordert gewesen, hatte er gegenüber der AZ eingeräumt. Er selbst hat Roman K. im Verdacht, da ordentlich mitgemischt zu haben. Deshalb hat er Strafanzeige in der Ukraine gestellt. Und hofft, das umstrittene Geschäft der Uelzener Stadtwerke fernab der Heimat doch noch zu einer Erfolgsstory zu machen.

Von Thomas Mitzlaff

Kommentare