Parfum für 1000 Euro: Angeklagter am Amtsgericht behauptet, von Bande erpresst worden zu sein

Zum Diebstahl genötigt

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In einer Uelzener Drogerie ließ der Angeklagte Parfum im Wert von 1000 Euro mitgehen. Er behauptet, von einer Gruppe Sinti und Roma gezwungen worden zu sein. 

Uelzen. Hochwertiges Parfum im Wert von über 1000 Euro soll J. in einer Uelzener Drogerie großzügig in seinen Rucksack gepackt und den Laden verlassen haben, ohne zu bezahlen. Als der Sicherheitsalarm auslöst, stellen sich Angestellte dem 54-jährigen Polen in den Weg.

Er zeigt massive Gegenwehr und will sich losreißen, sodass die Mitarbeiter ihre ganze Kraft aufwenden müssen, um den Dieb festzuhalten.

J. gibt während der Verhandlung am Amtsgericht Uelzen zu, dass er die Tat, wie in der Anklage beschrieben, begangen hat – aber angeblich nicht, weil er gut duften wollte. Durch seinen Anwalt lässt der Beschuldigte eine Erklärung verlesen, in der er behauptet, „Zigeuner“ hätten ihn zu den Diebstählen gezwungen. „Sie haben ihn von Polen hierher gebracht und dann dazu genötigt, hier zu klauen“, verliest der Anwalt.

Wegen dem Versprechen, dass er hier legal Arbeit bekäme, habe sich J. der Gruppe Sinti und Roma angeschlossen und sei nach Deutschland gekommen. Hier habe man ihm jedoch seinen Personalausweis abgenommen und unter Druck gesetzt. Für den Diebstahl im Drogeriemarkt hätte man dem Polen lediglich einen Beuteanteil von 100 bis 150 Euro versprochen. „Ein anderes Einkommen hatte mein Mandant nicht.“

Der Fall in Uelzen ist nur die Spitze des Eisbergs. So wurde J. zwei Wochen zuvor bereits vom Amtsgericht in Hannover wegen Betrug in 15 Fällen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Dort hatte er ein Bankkonto eröffnet und in mehreren Läden Luxusartikel per Lastschrift eingekauft, ohne aber jemals Geld auf das Konto eingezahlt zu haben. Der Schaden: über 2500 Euro. Auch hier soll das fahrende Volk Drahtzieher gewesen sein.

J. sitzt bereits seit August letzten Jahres wegen der Taten in Untersuchungshaft und hat nur noch einen Wunsch: „Ich möchte nach Warschau zurück“, lässt er übersetzen.

Diesen Wunsch erfüllt ihm Richter Rainer Thomsen: Er verurteilt J. zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung. In der Strafe ist das Urteil aus Hannover miteinbezogen. Zusätzlich muss der Schuldige den entstandenen Schaden begleichen. Das ist J. im Moment der Urteilsverkündung egal. Denn weil sowohl sein Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichten, ist das Urteil sofort rechtskräftig. J. kann direkt nach der Verhandlung seinen Rucksack aus dem Gefängnis abholen und die Heimreise nach Polen antreten.

Von Sandra Hackenberg

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