„Die Schmerzen waren extrem“

Sechs Tage nach seinem schweren Unfall auf der Bundesstraße 4 ist Eugen Heinbichner noch immer an das Sauerstoffgerät im Uelzener Klinikum angeschlossen.

Uelzen. - Von Thomas Mitzlaff „Wo bleiben die bloß?“ Immer wieder hört Eugen Heinbichner diese Frage von Autofahrern, die zuerst zur Unfallstelle kamen. Der 26-Jährige selbst kann sich nicht bewegen. Seine Beine sind eingeklemmt im Fahrzeugwrack, ein Oberschenkel ist zertrümmert. „Die Schmerzen waren extrem“, erinnert er sich noch genau. Seine Lunge ist gequetscht, bei eisigen minus sieben Grad kann er kaum noch atmen. Doch professionelle Hilfe kommt einfach nicht – 35 lange Minuten muss Heinbichner vergangenen Donnerstag nach einem Unfall auf der Bundesstraße 4 bei Holdenstedt ausharren.

Der 26-jährige Lüneburger, der noch immer auf der Intensivstation des Uelzener Klinikums liegt und dort ans Sauerstoffgerät angeschlossen ist, war Opfer einer fatalen Notruf-Panne geworden. Die Leitzentrale der Lüneburger Polizei (Luna) hatte Rettungsdienste und Feuerwehr wegen einer fehlerhaften Computerauskunft in die falsche Richtung geschickt (AZ berichtete). Der Vorfall hat die Diskussion über die im Sommer umgesetzte Umleitung des Notrufes 110 von Uelzen nach Lüneburg wieder neu entflammt.

Denn die Notruf-Panne vom vergangenen Donnerstag ist kein Einzelfall. Rettungskräfte und Feuerwehr klagen immer wieder darüber, dass Luna zu ungenau die Einsatzorte nennt und dadurch wertvolle Zeit verloren geht. „Wir haben derzeit unnötig lange Anfahrtswege bei Rettungseinsätzen“, bestätigt auch Kreis-Sprecher Martin Theine. Der Landkreis Uelzen ist zwar zuständig für das Rettungswesen und im hiesigen Kreishaus laufen auch die Notrufe 112 auf, „wir haben aber keinen Einfluss darauf, wo die Polizei ihren Notruf 110 empfängt“, so Theine.

Luna wickelt die 110-Notrufe für die Landkreise Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg ab. Fehlende Ortskenntnisse der dort eingesetzten Beamten seien kein Problem, versichert die zuständige Polizeidirektion (PD) Lüneburg und verweist auf die Computertechnik.

Doch polizeiintern ist die Qualifikation mancher Luna-Mitarbeiter durchaus umstritten. So arbeiten in der Leitstelle auch Beamten, die nach dem Studium an der Fachhochschule lediglich einige Zeit bei der Bereitschaftspolizei geleistet haben und die zumeist die örtlichen Verhältnisse nicht kennen. Auf der Wache Uelzen dagegen, die bislang die Notrufe entgegennahm, sitzen Beamte mit zumeist jahrzehntelanger Erfahrung und Ortskenntnissen.

Der Landkreis will den Fall Heinbichner zum Anlass nehmen, um bei der Polizeidirektion vorstellig zu werden. Der 26-jährige Schwerverletzte wird derweil nie die endlose halbe Stunde vergessen, die er vergeblich auf Hilfe wartete. „Nach so langer Zeit hätte ich auch tot sein können“, ahnt er und greift wieder zur Sauerstoffmaske.

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