Hohe Mäusepopulation im Kreis Uelzen: Schäden auf Äckern und in Wäldern befürchtet

„Die nagen alles an“

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Feldmäuse bekommen bis zu sechs Mal im Jahr jeweils sechs Junge, erklärt NABU-Kreisvorsitzender Karl-Heinz Köhler.

Uelzen/Landkreis. Im Kreis Uelzen macht eine hohe Mäusepopulation Landwirten und Förstern zu schaffen. Michael Dunker, Pflanzenschutzberater der Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist alarmiert: „Die nagen alles an“, sagt er.

„Das ist schon ein Problem. “ Von der Zerstörung auf den Feldern betroffen seien sämtliche Kulturen, die im Kreis angebaut werden. Aufgrund des milden Winters hätten die Tiere – in erster Linie handele es sich dabei um Feldmäuse – nicht hungern müssen und seien nicht erfroren. Zudem habe sich der Niederschlag im letzten Jahr immer gut verteilt, so dass die Mäuselöcher in der Erde nicht mit Wasser vollgelaufen und die Nagetiere nicht ertrunken seien. Nun vermehrten sie sich munter.

Als Bekämpfung kämen Giftweizen und Giftköder, die direkt in die Mäuserlöcher gesteckt werden, damit andere Tiere nicht an das Gift kommen, infrage. „Viele scheuen den Aufwand“, sagt Dunker, der befürchtet, dass sich die Äcker teilweise nicht von den Schäden erholen könnten. Eine andere Möglichkeit, das Problem zu bekämpfen, gebe es allerdings nicht.

Das sieht Karl-Heinz Köhler, Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) Uelzen, anders. Gefiederte Fressfeinde wie Schleiereulen, Turmfalken und Mäusebussarde seien ein natürliches Gegenmittel, das zum Beispiel durch Nistkästen unterstützt werden könnte. „Das Gift geht auch den Vögeln an den Kragen“, gibt er zu bedenken.

Außerdem baue sich die Mäusepopulation in einem Zyklus von drei Jahren zwar zunächst auf, breche dann aber auch wieder zusammen. „Das reguliert sich von alleine“, sagt Köhler.

Auch Thomas Göllner vom Stadtforst Uelzen berichtet, dass es landesweit eine „hohe Schadensprognose“ durch die kleinen Nager gebe. Insbesondere an jungen Laubbäumen wie Buchen und Eichen richteten Wühlmäuse durch das Abfressen der Rinde Schäden an, die zu Baumsterben führten. „Das ist dieses Jahr relativ massiv“, sagt er. Im Ebstorfer Bereich beispielsweise sei die Situation bereits problematisch, weiß Göllner von einem Kollegen. Im Uelzener Stadtforst gebe es jedoch keine großen Zerstörungen durch die Nager. „Da wir jetzt noch keine Schäden haben, gehe ich davon aus, dass keine große Gefahr mehr kommt“, meint der Stadtförster. Das rühre daher, dass der Stadtwald relativ dicht bewachsen sei. Mäuse bevorzugten dagegen vergraste Flächen, um sich vor Fressfeinden verstecken zu können.

Derweil sieht Georg Sander, Leiter der Rübenbeschaffung des Nordzucker-Werkes Uelzen, „noch keine Dramatik“. Die Rübenanbauer seien gerade dabei, die Rüben zu bestellen. Er empfehle, die Mäuse rechtzeitig, das heißt parallel zur Aussaat, durch Getreide oder Nüsse am Feldrand abzulenken. „Wenn die Rüben angekeimt sind, sind keine Schädigungen mehr zu erwarten“, sagt er. Er weist außerdem darauf hin, dass der Einsatz von Gift bestraft werden kann.

Von Sophie Borm

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