Prozess gegen Uelzener Douglas-Bande: Weitere Zeugen schildern das Tatgeschehen

„Die Flasche zersplitterte auf dem Gesicht“

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az Uelzen/Lüneburg. Der junge Mann sei mit einer grünen Bierflasche in der Hand von einer Kneipe aus kommend rasch auf sein Opfer zugelaufen, habe sie aus etwa zwei Metern Entfernung gezielt auf den Mann geworfen: ,,Die Flasche zerplitterte beim Aufprall auf das Gesicht, das Opfer fiel zu Boden wie ein nasser Sack. Ich war schockiert. Das Opfer hatte keine Chance, sich zu wehren. “.

Mit der Aussage belastete gestern eine Krankenschwester den 19 Jahre alten Ismael N. stark. Der Angeklagte muss sich zusammen mit dem gleichaltrigen Robert K. wegen versuchten Totschlags vor der 1. Großen Jugendkammer am Landgericht verantworten, K. soll dem am Boden liegenden 41-Jährigen ins Gesicht getreten haben. Beide werden der so genannten Douglas-Bande zugerechnet, die monatelang die Uelzener Innenstadt terrorisierte (AZ berichtete).

Die Zeugin hatte Angst vor ihrer Aussage in dem Prozess, in dessen Umfeld es auch zu Bedrohungen von Journalisten gekommen war und es den Verdacht gibt, dass auch Zeugen unter Druck gesetzt werden. Die Krankenschwester hatte deshalb im Vorfeld um eine ,,geschützte Vernehmung“ und einen Zeugenbeistand gebeten. Die Kostenübernahme für einen Anwalt wurde abgelehnt, die Zeugin erschien dennoch mit ihrem Anwalt.

Der Vorsitzende Richter stellte ihr wie auch vielen anderen Zeugen zuvor die Frage, ob sie vorher von jemandem auf ihre zu machende Aussage angesprochen wurde. Das verneinte sie, auch Drohungen habe es nicht gegeben. Die Krankenschwester war am 2. Juli 2011 morgens gegen drei Uhr mit ihrem Lebensgefährten, einem Arzt, nach dem Uelzener Weinmarkt und einem Gaststättenbesuch auf dem Heimweg, als ihr ,,der junge Mann“ über den Weg lief. Nach dem Flaschenwurf und den Tritten habe sie Erste Hilfe geleistet, der Arzt sich dann weiter ums Opfer gekümmert: ,,Das ganze Gesicht war voller Blut, wohl durch Schnittverletzungen, die durch das ganze Blut aber nicht zu sehen waren. Der Mann war bewusstlos, Blut kam auch aus dem Mund.“ Ihrer Meinung nach habe akute Lebensgefahr bestanden.

Die Zeugin konnte Ismael N. zwar nicht als den Werfer identifizieren, ihre Darstellung des Geschehens deckt sich allerdings mit der eines Bundespolizisten, der ebenfalls am Tatort war und N. erkannt hatte.

Im Zeugenstand saß gestern auch ein 22 Jahre alter Uelzener, der sich selbst als ,,Nachbar“ des Angeklagten Robert K. bezeichnete. Er sei als Beifahrer in einem Auto am Tatort vorbeigefahren, habe aber lediglich gesehen, wie K. auf dem Boden lag und ,,eine korpulentere Person“ ihn aufheben wollte.

Er hatte seine Beobachtung nach dem Geschehen schriftlich festgehalten.

Wie es dazu kam, wollte der Vorsitzende wissen. Der 22-Jährige erzählte, er habe sich mit dem Vater von Robert K. in einem Cafè getroffen: ,,Ich bekam ein Blatt und ein Stück Papier für meine Aussage.“

Derweil hat die Verteidigung im Gebäude gestern den psychiatrischen Gutachter ins Visier genommen und ein Befangenheitsgesucht gestellt. Martin Schaar, der Kieler Anwalt von Ismael N., wirft dem Sachverständigen vor, nicht ,,die gebotene Neutralität“ zu haben. Bei der Begutachtung seines Mandanten in der Haftanstalt habe der Psychiater N. ,,unter Druck gesetzt“, ihm erzählt, er habe nicht den Eindruck, dass es sich bei ihm um einen Kriminellen handele. Es sei besser, wenn er vor Gericht aussage, damit das Verfahren schnell zu Ende gehe, das wäre auch finanziell günstiger für ihn. Und eine Aussage habe er ja eh schon vor der Amtsrichterin in Uelzen gemacht.

Der Gutachter hat nun Zeit, schriftlich Stellung zu nehmen. Die Jugendkammer will über das Gesuch bis zum 8. März entscheiden. Der Prozess wird Montag fortgesetzt.

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