„Die Chance am Schopfe greifen“

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Die nordwestliche Ansicht des geplanten Marktcenters, im Vordergrund verläuft die Veerßer Straße. Über 300 Parkplätze sollen auf dem ehemaligen Wochenmarktgelände bestehen bleiben.

Uelzen. Viel Zustimmung, aber mancherorts auch Skepsis – je nach Interessenlage wurde die Vorstellung des 25-Millionen-Euro-Projekts Marktcenter am Dienstagabend in der Uelzener Geschäftswelt unterschiedlich aufgenommen. Von einer „großen Chance für die Innenstadt“ spricht Stefan Stümpel, Sprecher einer in der Gründungsphase befindlichen Initiative von rund 40 Uelzener Geschäftsleuten in der Innenstadt.

Stümpel betont aber, dass er noch nicht für alle Kollegen sprechen könne, da man sich noch nicht ausgetauscht habe. „Ich habe aber schon mehrere sehr positive Rückmeldungen bekommen“, erklärt er. Das Projekt auf dem ehemaligen Wochenmarktgelände müsse kein Nachteil für die Innenstadt sein, ganz im Gegenteil, so der Chef von Kunst&Kreativ: „Wir sollten diese Chance am Schopfe ergreifen, zumal das marode Schuhstraßenviertel ja auch gleich saniert werden soll.“ Den Branchenmix im Marktcenter sieht er als Ergänzung zum Innenstadt-Angebot und als Magnet: „Wer etwa bislang einen Elektrofachhandel oder einen Lebensmittelmarkt aufsuchen wollte, ist ja bislang auch nicht in die Kernstadt gekommen, sondern ins Industriegebiet oder nach Lüneburg gefahren.“

Das könne sich mit dem Neubau ändern, wenn er sinnvoll an die City angeschlossen werde. In einer anderen Position befindet sich der Uelzener Handelsverein, da er nicht nur Geschäfte in der Innenstadt, sondern auch in der Randlage und mit einem Elektronikfachmarkt auch einen unmittelbaren Konkurrenten zum Marktcenter repräsentiert. „Die Sorge um die Innenstadt bleibt“ – nicht wirklich Neues hat Handelsvereins-Vorsitzender Uwe Schwenke nach eigenem Bekunden am Dienstagabend erfahren. „Wir sind nicht schlauer geworden, mit welchen Inhalten das Center betrieben werden soll“, resümiert der Chef des Modehauses Ramelow.

 Schwenke sieht das Projekt weiter als mögliche Konkurrenz für die Innenstadt-Händler, „wir müssen uns hier jetzt stärken, damit wir für diesen Wettbewerb gut aufgestellt sind.“ Der Handelsverein vertritt sowohl Geschäftsleute in der Innenstadt als auch den Elektro-Fachmarkt Euronics im Industriegebiet – ein schwieriger Spagat. Denn Euronics wird Konkurrenz bekommen, daran ließ die Stadtverwaltung bei der Bürgerversammlung keinen Zweifel. „Wir haben aber immer betont, dass wir nicht gegen Wettbewerb in einem vernünftigen Rahmen sind“, erklärt Schwenke.

Mit Blick auf die Innenstadt stelle sich ihm die Frage, ob die Anbindung zum Marktcenter funktionieren werde und ob die Kundenströme wirklich so fließen wie geplant. „Da hätte ich mir eine unabhängige Expertenmeinung gewünscht.“ Die Ausschüsse für Stadtentwicklung und -planung hatten dem Vorhaben im Anschluss an die Bürgerversammlung am Dienstagabend bei einer Enthaltung zugestimmt. Der Vorschlag von Grünen-Vertreterin Ariane Schmäschke, die Entscheidung zwecks weiterer Diskussionen zu vertagen, wurde abgelehnt.

Von Thomas Mitzlaff

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