„Die Bahn muss nachbessern“

Die Bahnstrecke zwischen Stendal und Uelzen verläuft direkt neben den Wohnhäusern des Seifriedrings in Veerßen. Nun fordert die Stadt von der Deutschen Bahn, die dort im Rahmen des zweigleisigen Ausbaus geplante Lärmschutzwand zu verlängern. Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen. Es ist ein Millionen-Projekt der Deutschen Bahn für einen flüssigeren Zugverkehr zwischen Stendal und Uelzen. Doch bei vielen Anwohnern ist der geplante zweigleisige Ausbau der so genannten „Veerßer Kurve“ höchst umstritten. In diesen Tagen beschäftigen sich nun die politischen Gremien der Stadt Uelzen mit diesem Thema. Von Bernd Schossadowski

Wie berichtet, soll die neue Bahnspange in Veerßen die Einfädelung des Zugverkehrs aus Richtung Stendal in die Nord-Süd-Strecke zwischen Hamburg und Hannover erleichtern. Dabei wird die Bahnstrecke, beginnend mit einer Weiche im Bereich Seifriedring, zweigleisig in Richtung Hundertwasser-Bahnhof fortgeführt. Der neue Innenbogen soll westlich des Veerßer Friedhofes in die Nord-Süd-Achse einmünden.

Doch für Uelzens Baudezernent Karsten Scheele-Krogull besteht zu den Planungen noch Änderungsbedarf. „Die Bahn muss nachbessern“, betont er. So seien die vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen unzureichend. Nach den bisherigen Plänen der Bahntochter DB Netz AG soll die Lärmschutzwand nämlich nicht bis zum Ende der Wohnbebauung – am Bahnübergang der Celler Straße – führen, sondern vorher enden.

Scheele-Krogull befürchtet jedoch, dass das hohe Lärmbelastungen für die Anlieger des Seifriedrings zur Folge hätte. Er hält deshalb eine Verlängerung der Wand um mindestens 200 Meter bis zum Bahnübergang oder sogar darüber hinaus für dringend erforderlich. „Denn dort haben wir ein Wohngebiet ausgewiesen, auch wenn es noch keine Bebauung gibt“, erklärt er gegenüber der AZ.

„Gegebenenfalls ist hier eine Erweiterung der Planfeststellungsunterlagen notwendig“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Stadt zur „Veerßer Kurve“. Das Schreiben soll nun an die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr weitergeleitet werden, die für das Planfeststellungsverfahren verantwortlich ist.

Eine weitere Forderung der Stadt: Auch in Bahnhofsnähe – östlich des geplanten Gleises – müssten die Lärmschutzwände verlängert werden. Sie sollten sich vom Bohldamm bis zum Baumarkt an der Bahnhofstraße hinziehen. „Dieses würde zudem auch der Bahn selber bei einer Vermarktung brachliegender Flächen im Bereich der Grabenstraße zugute kommen“, meint Scheele-Krogull.

Darüber hinaus unterstützt die Stadt Uelzen den Wunsch der betroffenen Landwirte nach einer neuen Brücke über die Nord-Süd-Strecke. Etwa ein Kilometer südlich des derzeitigen Kreuzungsbauwerkes von Bahnstrecke und Bundesstraße 71 gebe es eine geeignete Stelle, um den landwirtschaftlichen Verkehr aus der Veerßer Feldmark über die Nord-Süd-Achse hinweg an die B 71 und die nördlich davon gelegenen Flächen heranzuführen, erklärt Scheele-Krogull.

„Eine solche Maßnahme würde zum einen das Veerßer Siedlungsgebiet deutlich vom landwirtschaftlichen Verkehr entlasten und zum anderen der Landwirtschaft eine zufriedenstellende Möglichkeit geben, die jenseits der Bahn liegenden Flächen zu erreichen“, sagt der Baudezernent. Er weist zugleich darauf hin, dass „die derzeit vorhandenen Bauwerke keinesfalls den heutigen Standards entsprechen“.

In ihrer Stellungnahme bezieht sich die Stadt auch auf das künftig deutlich höhere Zugverkehrs-Aufkommen auf der Strecke zwischen Stendal und Uelzen. Nach Bahn-Angaben gibt es dort derzeit täglich 70 Zugfahrten, davon 32 Güterzüge. Prognosen zufolge soll sich diese Zahl bis zum Jahr 2015 auf 199 Zugfahrten pro Tag, davon 143 Güterzüge, erhöhen. Als Folge erwartet Scheele-Krogull häufigere und längere Schließzeiten der Schranken an den Bahnübergängen Celler Straße, Parkstraße und Meisenweg. „Es ist sicherzustellen, dass in ausreichendem Maße Passiermöglichkeiten der Bahnstrecke gewährleistet bleiben, auch im Hinblick auf Notfallsituationen“, fordert er deshalb.

Der Uelzener Verwaltungsausschuss hat der Stellungnahme der Stadt auf seiner jüngsten Sitzung weitgehend zugestimmt. Als nächstes diskutiert darüber der Ortsrat Veerßen am Montag, 15. November. Die öffentliche Sitzung beginnt um 19 Uhr im Hotel „Deutsche Eiche“.

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