Die 22-jährige Carina Schmidt ist die jüngste Schiffsführerin in Hitzacker

Frau am Steuerrad

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Carina Schmidt ist nicht nur die jüngste Matrosin des Landkreises, sondern auch frisch ausgebildete Naturführerin. Die MS Hecht hat sie voll im Griff.

Hitzacker. „Und wer fährt das Schiff?“, fragt ein älterer Fahrgast, als er in Hitzacker an Bord der MS Hecht geht. Carina Schmidt schmunzelt. Die 22-Jährige ist wohl die jüngste Schiffsführerin auf diesem Elbabschnitt.

Auch ohne Niedrigwasser gleicht die Ausflugsfahrt auf der Elbe einem Zickzackkurs. Kapitänin Schmidt manövriert die wendige Barkasse, Baujahr 1951, sicher von Tonne zu Tonne flussabwärts. Auf die Fragen ihrer Gäste weiß sie fachkundig zu antworten. Die Skepsis weicht bald nach dem Ablegen der Bewunderung.

Das ganze Jahr über fahren die drei Schiffe der Ausflugsreederei zwischen den Häfen in Hitzacker und Dömitz. Strömung, Strudel und Sandbänke lernte Carina Schmidt während ihrer Ausbildung bei der Reederei sicher einzuschätzen. „Einmal bin ich auf eine Sandbank aufgefahren. Nichts ist passiert,“ erinnert sie sich. Eine Erfahrung, die viele Schiffführer auf dem schwierigen Fahrwasser des Stromes machen müssen.

Erzählt man sich traditionell bei einem Stück Kuchen und einen Pott Kaffee auf den Elbausflügen die Wegmarken der Geschichte der Republik, wählte Carina Schmidt den Naturschauplatz Flussaue als Perspektive für ihre Fahrten. Seit diesem Sommer zeigt sie ihren Gästen die pitschnassen Kormorane auf den Buhnen, die ihr Gefieder von den Tiefgängen in der Sonne trocknen. Graugänse ziehen in Schwärmen über das Schiff.

Auf den ersten Fahrten durch das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue erzählt sie von Weißstörchen, Seeadlern und Bibern, Binnendünen und Auwäldern, die in dem 375 000 Hektar großen Gebiet einen geschützten Lebensraum finden. Als Teil des länderübergreifenden Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbtalaue, das 1997 von der UNESCO ausgerufen wurde, zeichnet das Schutzgebiet neben dem klassischen Naturschutz besonders das Zusammenspiel von Mensch und Natur inmitten einer in Jahrhunderten veränderten Landschaft aus.

Carina Schmidt macht mit der kleinen MS Hecht einen Abstecher zum ehemaligen Industriehaften in Dömitz. Sie erzählt von der Deichrückverlegung bei Lenzen und steuert nebenher das gepflegte 22-Personen-Schiff.

Von der Verwaltung des Biosphärenreservats Elbtalaue ließ sich Carina Schmidt zur Natur- und Landschaftsführerin ausbilden. Die Vogelexkursionen, Bodenuntersuchungen und Diskussionen über das Eingreifen des Menschen in die Natur während des Kurses veränderten auch ihre eigene Sicht auf die Flusslandschaft. „Ich möchte meine Begeisterung für die Natur mit anderen Menschen teilen und ihnen die Tier- und Pflanzenwelt wieder näher bringen“, sagt sie.

Während Carina Schmidt im Sommer viel zu tun hat, die Ausflüge, Feste und Events mit Gästen auf dem Schiff zu organisieren, wird sie in den kommenden Wintermonaten wieder viel Zeit in der Werft verbringen. Nach und nach werden die Schiffe der Reederei überholt. Dann heißt es: den Rumpf reinigen, Öl wechseln, den Propeller überprüfen.

„Neben der Schule habe ich damals schon in der Reederei im Service ausgeholfen und schnell gemerkt: Die Arbeit auf dem Wasser gefällt mir!“ Carina Schmidt machte den Abschluss auf der Freien Schule Hitzacker, bekam die Zulassung zum Abi, doch sie wollte direkt ins Berufsleben einsteigen. Aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg weggehen, wie die meisten in ihrem Alter, kam für sie nicht in Frage.

Statt Freizeitstress nach dem Motto „Auch hier: höher, schneller, weiter!“ ist es ihr Anliegen, dass die Touren auf die Menschen zugeschnitten sind, die sie besuchen. „Nach einer Abendfahrt kam ein Gast zu mir und sagte: ‚Hier auf dem Schiff fällt mir erst auf, wie hektisch mein Leben sonst ist.’ Ich gebe meinen Gästen die Gelegenheit, einen Moment inne zu halten“, beschreibt sie die Haltung hinter ihrem Beruf.

Mit einer befreundeten Naturführerin arbeitet Carina Schmidt schon an einem neuen Projekt: eine kombinierte Rad- und Schiffstour von Darchau nach Hitzacker. „Irgendwann kenne ich jede Sandbank und jede Buhne der Elbe“, freut sie sich.

Von Anja Humburg

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