Anna Magdalena Bössen und Florian Miro bieten „Welt-Ansichten“ im Neuen Schauspielhaus

Dichter dran – oder doch weiter weg?

Anna Magdalena Bössen ließ Persönlichkeiten wie Goethe und Schiller in Form von Pappkameraden zu Wort kommen.
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Anna Magdalena Bössen ließ Persönlichkeiten wie Goethe und Schiller in Form von Pappkameraden zu Wort kommen.

Uelzen – Treffen sich zwei Planeten. „Sag mal, wie siehst du denn aus? Tja, ich habe Homo Sapiens. Oh mein Gott, aber das geht zum Glück vorbei“.

Die Ausgangslage beim Kabarettprogramm „Dichter dran“ konnte also schlechter nicht sein und bot Spielraum für allerlei Gedankenspiele. Zum Beispiel die von „Astronaut“ Florian Miro in seiner „Bar jeder Entscheidung“: Für nur 800 Euro monatlich bietet sein Start-Up-Unternehmen „Weiter weg“ die Möglichkeit für ein künftiges, sorgenfreies Leben im All. Das Publikum im Neuen Schauspielhaus schien allerdings wenig überzeugt, denn auf die Frage, wer mit ins All komme, gab es nur ein vereinzeltes Handzeichen.

Anna Magdalena Bössen und Florian Miro traten im Neuen Schauspielhaus auf. 

Den Gegenpart übernahm Anna Magdalena Bössen: „Ich möchte nicht weg von diesem kostbaren, einzigartigen Zuhause, im Gegenteil: Ich möchte dichter dran. Erde zieht uns an, verhindert, dass wir heimatlos durchs All trudeln.“ Damit das aber so bleiben kann, müsse sich einiges ändern auf dieser, unserer Erde. In der Folge lässt die diplomierte Dichterin Bössen namhafte Persönlichkeiten der deutschen Literatur, wie Goethe, Schiller, Kästner oder Annette von Droste-Hülsdorf in Form von Pappkameraden auf der Bühne zu Wort kommen und rezitiert deren Lebensansichten anhand bekannter Gedichte.

Nur, um daraufhin frustriert festzustellen, dass diese Ansichten mit dem heutigen Leben nicht mehr viel gemeinsam haben. „Morgens schlüpfe ich in mein Nervenkostüm, dass der Tag mir zerreißt. Dagegen helfen keine Tranquilizer, dagegen hilft nur ein anderes Leben“.

Leichter gesagt, als getan, denn es gibt dieses eine Wort „aber“, an dem sämtliche Sehnsüchte so schnell zerschmettern. Damit sich etwas ändern kann, braucht es also eine starke Gemeinschaft macht Anna Magdalena Bössen den Anwesenden klar: „Das wir alle eigentlich ein gemeinsames Anliegen haben, das wissen wir vielleicht erst mit diesem Blick, das größtmögliche Wir – alles was auf diesem Planeten lebt“. Durch die geschickte Verknüpfung von Dichtkunst, musikalischen Zitaten und den Dialogen mit Partner Florian Miro, schickt Bössen die Zuschauer am Ende des Abends ein großes Stück nachdenklicher auf den Weg nach Hause.

hu

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