Jutta Strecker hilft bei der Suche nach Antworten / Beratung für Angehörige

Diagnose Demenz?

Spricht aus Erfahrung: Jutta Strecker (rechts) hat jahrelang ihren Mann gepflegt und unterstützt nun im Seniorenbegleiterbüro von Silke Jaeschke Angehörige von Demenz-Patienten. Foto: Baatani

Uelzen. Zunächst verzichtete er auf das Autofahren. Dann überließ er auch das Schreiben seiner Frau und hörte sich lieber Nachrichten im Radio an, anstatt selbst Zeitung zu lesen.

Als er schließlich Bekannte auf der Straße nicht mehr erkannte, ließ Jutta Strecker ihren Mann Hans-Georg medizinisch untersuchen. Die Diagnose: Demenz. Viele Angehörige werden vollkommen unvorbereitet mit dieser Erkrankung konfrontiert. Oft stellt sich eine Scham ein, sich an eine Institution zu wenden und über die Erkrankung zu sprechen. Jutta Strecker aus Natendorf weiß das aus Erfahrung. Sieben Jahre lang hat sie ihren Mann durch die Krankheit begleitet, vor etwa einem Jahr verstarb ihr Mann im Alter von 79 Jahren. Im Seniorenbegleiterbüro der Uelzener Familienbildungsstätte am Bahnhofsweg 14 in Uelzen möchte die 70-Jährige nun anderen Betroffenen die Angst nehmen und bietet deshalb eine Beratung „auf Augenhöhe“ an.

Ein umfangreiches Angebot zur Unterstützung von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen gibt es bereits. Doch: „Es trauen sich viele Leute nicht“, weiß Jutta Strecker, „wenn man persönliche Gespräche führt, ist mehr Offenheit gegeben.“ Daher möchte die ehemalige Mitarbeiterin der Diana-Klinik in Bad Bevensen nun erst einmal den Betroffenen Mut machen.

In einer ersten Beratung im Mai hat sie mit einer Frau gesprochen, die ihren an Demenz erkrankten Mann pflegt. Solch eine 24-Stunden-Betreuung könne auch zu einer Überforderung führen. „Sie muss auch an sich denken. Da braucht sie kein schlechtes Gewissen zu haben“, betont Jutta Strecker. Sie selbst habe beispielsweise die Pausen, in denen ihr Mann in der Gruppe „Atempause“ für Demenz-Erkrankte in Bienenbüttel betreut wurde, zum Auftanken genutzt. „Ganz ehrlich, ich bin auch mal einkaufen gefahren, in der Stadt gewesen, ich habe das gemacht, wo ich mich erholen konnte.“ Diese Auszeiten seien wichtig, um sich anschließend wieder dem Partner widmen zu können. „Ich muss selbst etwas tun, um Ruhe zu finden und damit auch der Angehörige Ruhe findet“, erklärt sie. Auf der anderen Seite sei auch Betreuung wie in der „Atempause“ wichtig, weil dort die Erkrankten gefördert werden.

Doch viele Menschen, gerade auf dem Lande, fürchten das Gerede nach dem Motto: „Was sagen die Leute – guck mal, jetzt gibt sie ihn weg...“ Erst müssten die Angehörigen die Scheu verlieren. Dann gebe sie ihnen auch Tipps, wo sie sich weiter informieren können über Seniorenbegleitung, Pflegedienst und Betreuungsgeld oder steht auch für individuelle Fragen zur Seite.

„Mein Mann hat leidenschaftlich gern gesungen“, erinnert sich Jutta Strecker. 40 Jahre lang habe er im Blasorchester Natendorf Musik gemacht. Wenn es ihm während der Krankheit nicht gut ging, habe Musik geholfen. Auch um ihn im Beisammensein mit Freunden einzubeziehen, sei gemeinsam gesungen worden. „Er ist bis zum Schluss in der Gruppe ,Atempause’ geblieben, auch noch als Rollstuhlfahrer. Es tat ihm gut, es tat mir gut. Über das Singen hat man ihn immer in die Gruppe bekommen.“ Es gehe um die Kreativität im Umgang mit Erkrankten und darum, dass die Angehörigen Hilfe annehmen. „Und dass man lernt, als Angehöriger den Humor nicht zu verlieren“, fügt auch Silke Jaeschke, Leiterin des Seniorenbegleiterbüros, hinzu.

Von Diane Baatani

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