„Das ist eine Lachnummer“

Deutlich strengere Düngeauflagen der Landesregierung stoßen im Landkreis Uelzen auf viel Kritik

Um die Qualität des Grund- und Bodenwassers zu verbessern, soll nach dem Willen der Landesregierung künftig weniger gedüngt werden. Die anvisierten Maßnahmen stoßen auf viel Kritik.
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Um die Qualität des Grund- und Bodenwassers zu verbessern, soll nach dem Willen der Landesregierung künftig weniger gedüngt werden. Die anvisierten Maßnahmen stoßen auf viel Kritik.

Uelzen/Landkreis – Die geplanten deutlich strengeren Düngeauflagen der niedersächsischen Landesregierung ab November, um die Qualität des Grund- und Oberflächenwassers zu verbessern, sorgen bei Kreislandwirt Thorsten Riggert für Unverständnis.

Kontrollen hatten in der Region eine erhöhte Nitratbelastung ergeben, sodass auch der Landkreis Uelzen als „rotes Gebiet“ gekennzeichnet worden ist. Riggert kritisiert dabei die Auswahl der Messstellen. „In Wulfsode sind nur zehn Prozent Ackerfläche, aber 90 Prozent Wald und Truppenübungsplatz. In Reinstorf gab es wohl im Ersten Weltkrieg eine Munitionsfabrik“, sagt der Landwirt aus Klein Süstedt, der ebenfalls kritisiert, dass bei den Messungen nur die Ergebnisse des sogenannten ersten Horizonts Berücksichtigung finden. Diese liegen bei zwölf bis 16 Metern. Riggert: „Schon beim zweiten Horizont, also in 60 bis 70 Metern Tiefe, ist der Nitratwert bei den Messstellen sehr gering. “.

Ulrich Ostermann, Geschäftsführer Wasserverband

Auch Ulrich Ostermann kritisiert die geplanten Maßnahmen. „Die Qualität des Grundwassers ist im Landkreis im Durchschnitt gut bis sehr gut. Man müsste bei den Messstellen vielmehr schauen, wo die genauen Ursachen für die hohen Nitratwerte liegen“, so der Geschäftsführer des Kreisverbands der Wasser- und Bodenverbände Uelzen. „Mit Veränderungen der flächendeckenden Düngung bekommt man diese hohen Messwerte dagegen nicht in den Griff.“

Thorsten Riggert, Kreislandwirt

Riggert befürchtet, wenn die geplanten Änderungen im November im Kabinett in Hannover so entschieden werden sollten, dass dann die Auflage die hiesigen Landwirte erreicht, dass sie künftig 20 Prozent unter ihrem Bedarf düngen sollten. „Dadurch sinken auch die Erträge. So können wir bald Kreuze auf den Ackern aufstellen, da es sich für 50 bis 70 Prozent der Landwirte einfach nicht mehr lohnen wird“, sagt Riggert, der noch nachlegt. „Die geplanten Düngeauflagen sind für mich eine Lachnummer, da sie unlogisch sind. Tausende von Arbeitsplätzen sind daher in der Region in Gefahr.“

Miriam Staudte, Landtagsabgeordnete

Miriam Staudte, Landtagsabgeordnete und agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, kritisiert: „Die geforderte schnelle Einbringung des Düngers in den Boden innerhalb einer Stunde wird die Luftemissionen reduzieren, aber die Menge des Nitrats im Grundwasser nicht verringern. Kleine Betriebe können sich ohne Förderung diese Technik nicht leisten. Der Strukturwandel zu Großbetrieben wird dadurch weiter vorangetrieben.“ Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende ergänzt noch: „Wichtig wäre es gewesen, größere Abstände von Düngeflächen zu Gewässern zu bekommen und Tierhaltung an die Fläche zu koppeln. Ebenso wäre neben der Reduzierung der Tierbestände notwendig, den in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzten Kunstdünger-Einsatz konsequenter zu reduzieren. Nichts davon packt die Landesregierung an.“

Wie berichtet hatten vergangene Woche die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) ihren Maßnahmenkatalog vorgestellt, um die Qualität des Grund- und Oberwassers zu verbessern. In Niedersachsen sind rund eine Million Hektar Fläche von den Auflagen betroffen. Auch Landvolk-Vizepräsident Dr. Holger Hennies erwarte wegen der Auflagen „erhebliche Belastungen für einige Landwirte“. Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, spricht von „großen Herausforderungen für die landwirtschaftlichen Unternehmen“. Die Phosphat-Problematik betreffe dagegen nur ein Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

VON TIMO HÖLSCHER

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