Hannah Sept widmet sich dem Waldbaden / Kurse geplant

Der Uelzener Wald als Therapiestätte

Hannah Sept: „Der Wald macht was mit uns.“
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Hannah Sept: „Der Wald macht was mit uns.“
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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 „Der Wald macht was mit uns“, sagt Hannah Sept. Um abzuschalten, ist sie regelmäßig im Forst unterwegs, erlebt ganz bewusst und mit allen Sinnen die Geräusche, Farben und Düfte des Waldes. Die 40-Jährige spricht vom Waldbaden.

Uelzen-Woltersburg – Der lockere oder moosbewachsene Boden, der bei jedem Schritt etwas nachgibt. Die fröhlichen Rufe der Vögel und die Düfte, die nach einem Sommerregen aufsteigen. Hannah Sept liebt den Wald. „Ich fühle mich richtig zu ihm hingezogen. Er ist ein Kraftort, an dem ich auftanken kann“, sagt die 40-Jährige.

Sie taucht Woche für Woche in die Natur ein, widmet sich ganz bewusst den Bäumen, dem Moos, den Gerüchen. Übungen helfen dabei, wie das Gehen nahezu in Zeitlupen-Geschwindigkeit. Hannah Sept spricht vom Waldbaden.

Erwiesen sei, so die 40-Jährige, dass der Aufenthalt im Wald Einfluss auf Geist und Körper habe. „Die Menschen werden ruhiger, der Blutdruck sinkt, das Immunsystem wird gestärkt.“ Studien aus dem japanischen Raum würden belegen: „Der Wald macht was mit uns.“ Hierzulande werde das sogenannte Waldbaden nun zunehmend bekannter.

Hannah Sept plant Kurse für Menschen zum Waldbaden in der Staatsforst unweit der Woltersburger Mühle. „Mit allen Sinnesorganen wird der Wald ganz bewusst wahrgenommen“, sagt sie.

Den Bezug zum Wald hat sie seit Kindertagen. „Ich bin naturverbunden aufgewachsen“, erzählt Hannah Sept. Beruflich hat sie verschiedene Stationen – von der Hotellerie bis zur Arbeit in einer Reederei – durchlaufen, bis sie eine Ausbildung zur Entspannungspädagogin machte. Als solche ist sie für die Landesschulbehörde an Schulen im Einsatz, um dort mit Kindern und Jugendlichen in Entspannungs-AGs zu arbeiten. „Das ist wichtiger denn je“, sagt Sept. „Der Alltag der Kinder war und ist durchgeplant. In Vor-Corona-Zeiten jagte ein Termin den nächsten.“

Im Kindesalter komme es so bereits zum Stressempfinden. Mit dem Erwachsenwerden wird das nicht besser. Die Naturerlebnisse im Wald können die Hektik des Alltags durchbrechen und Gutes für den Körper tun. Das klingt nach einer Therapiestätte unter Blättern.

Im Gepäck hat sie eine Hängematte, die zwischen zwei Bäumen gespannt werden kann. „In die Matte kann man sich hineinlegen, in die Baumkronen schauen“, so Sept. Die 40-Jährige setzt einen Fuß unmittelbar vor dem anderen, das aber ganz langsam. „Ich nehme den Boden in diesen Momenten ganz bewusst wahr.“ Sept schlägt, auf dem Boden sitzend, eine Klangschale an. Der Laut bahnt sich neben dem Vogelgezwitscher seinen Weg durch die Bäume.

Was das Waldbaden nicht sei, sei ein Biologie-Unterricht, in dem über Fauna und Flora referiert werde, erklärt Sept. „Man erkundet mit Ohren, Augen und Nase den Wald.“

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