Bewährung für bislang unbescholtenen Uelzener, der eine kleine Hanfplantage betrieb

„Der Schock seines Lebens“ - vorbestraft wegen Plantage

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Uelzen. „Dieses Verfahren ist für ihn der Schock seines Lebens“, sagt Verteidigerin Wiebke Schröder über den Angeklagten. Neben ihr sitzt Alexander F., 27 Jahre alt. Ein freundlicher junger Mann, der höflich auf die Fragen des Vorsitzenden Richters antwortet.

Er hat einen Job, ist nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen – und jetzt wegen eines Verbrechens angeklagt. Knapp 1,5 Kilogramm Marihuana hatte die Polizei am 14. Juli 2010 in der Wohnung des Uelzeners gefunden. Dabei war der 27-Jährige eigentlich schon aus der Szene ausgestiegen – doch die Vergangenheit hatte ihn wieder eingeholt. „2009 habe ich mit einem Bekannten eine kleine Hanfplantage betrieben“, schildert der Angeklagte gestern Nachmittag vor dem Uelzener Schöffengericht. Zeugen sind nicht geladen, Alexander F. hat im Vorfeld ein umfassendes Geständnis angekündigt. Betreiben wollte er die Plantage demnach nur so nebenbei, doch der Kumpel machte Ernst, fuhr alle paar Tage zu den Pflanzen. Nach der Ernte stieg der 27-Jährige aus, während der Freund im Jahr 2010 eine neue, größere Plantage anlegte. Am 14. Juli 2010 dann klingelte der Bekannte an der Tür von Alexander F. „Er hatte Panik, sagte, dass die Polizei hinter ihm her war“, schildert F. Er lässt sich breitschlagen, für den Freund eine Nacht eine größere Menge Marihuana aufzubewahren. Am nächsten Morgen stand die Polizei vor der Tür, beschlagnahmte den Stoff und dazu noch Reste aus der Ernte von 2009. Nach dem Gesetz kommt die Aufbewahrung einer solchen Menge Rauschgift einem Handel damit gleich – ein Verbrechen. Und so stehen gestern in Saal 1 des Amtsgerichts Uelzen zwischen einem und 15 Jahren Haft im Raum. Staatsanwalt Thomas Naumann betont, dass dieser Prozess aus dem Rahmen falle: „Normalerweise sitzen hier bei solchen Verhandlungen immer Angeklagte mit einem langen Vorstrafenregister.“ Alexander F. hat das nicht und auch dem „Stoff“ abgeschworen, wie er betont. Das Gericht bleibt schließlich bei der untersten Grenze, ein Jahr Haft auf Bewährung – F. nimmt das Urteil sofort an.

Von Thomas Mitzlaff

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