In Gedenken an Reinhard Schamuhn: Rund 250 Weggefährten nehmen Abschied

„Der Mann hatte ein Herz“

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Würdigten mit einer großen Abschiedsfeier im und am Neuen Schauspielhaus in Uelzen das Lebenswerk ihres Vaters, Reinhard Schamuhn: Kai (links) und Dirk Schamuhn. Sie wünschen sich, dass das Schauspielhaus erhalten bleibt.

Uelzen. Die Grabrede in Gedenken an Reinhard Schamuhn noch zu seinen Lebzeiten vor anderthalb Jahren sollte eine humorvolle Inszenierung sein – „und plötzlich ist aus der ganzen Geschichte ernst geworden“, sagte sichtlich bewegt Georg Menro, ein Freund des verstorbenen Leiters des Neuen Schauspielhauses an der Rosenmauer, am vergangenen Sonnabend.

An Stelle einer öffentlichen Beisetzung hatten der Verein des Schauspielhauses und Schamuhns Angehörige eine Abschiedsfeier organisiert, für die auch die Straße an der Rosenmauer für den Autoverkehr gesperrt wurde. Reinhard Schamuhn war in der Nacht zum 1. Juli im Alter von 73 Jahren verstorben.

Ein Freund von Schamuhn: Georg Menro.

„Der Mann hatte ein Herz, Humor, Verstand, das war genial“, betonte Menro, der als erster Schauspieler dort auf der Bühne gestanden und bis zuletzt bei Aktionen des „Schamanen“ und „verrückten Huhns“, wie sich Schamuhn gerne selbst bezeichnete, mitgewirkt hatte. Dass es tatsächlich ein Abschied von Schamuhn war, wollte niemand so recht wahrhaben: Beim Treffen von rund 250 Weggefährten aus ganz Deutschland – einige von ihnen kostümiert – waren immer wieder Worte zu hören wie die von Menro: „Ich trau’ dem Alten zu, dass er aus der Ecke springt und sagt, dass das alles nur ein Spaß war.“

Schamuhns Freunde hoffen, dass die Feier nicht zugleich einen Abschied von der kulturellen Einrichtung bedeutet. „Ich glaube, wir sollten alle etwas dafür tun, dass dieses Theater hier erhalten bleibt“, appellierte Menro aus Bayern an das Publikum, „ich komme auch wieder.“

Schamuhns Tochter Anette aus Berlin habe früher oft gescherzt: „Uelzen ist der Parkplatz von Berlin“, sagte sie in ihrer Ansprache. Erst als Erwachsene sei ihr klar geworden, wie „klasse“ die Ideen ihres Vaters gewesen seien. „In Berlin muss man nach so etwas suchen, das ist Großstadt hier“, lobte sie das Theater, „ich würde mir gerne wünschen, dass das Schauspielhaus erhalten bleibt, das gibt es nie wieder.“ Solange der „Verein zur Förderung der Kunst und Kultur im Kreativen Speicher“ seiner Aufgabe nachkommt, bleibt das Haus in dessen Besitz, das geht aus der Satzung hervor. „Mein Vater hatte die Ideen, Jens Kunze die Hände. Jens Kunze hat das Schauspielhaus mit aufgebaut und deshalb sollte man ihm helfen“, sagte Anette Schamuhn.

Diverse Musiker sowie Kurator Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt trugen Ernstes wie Heiteres in Erinnerung an Schamuhn vor. Die elfjährigen Jakob Bethge und Felix Bonecke rappten unter Leitung von Karl-Heinz Krenz ein zehn Jahre altes Stück, dessen Text Schamuhn selbst geschrieben hatte.

Bei dem Anlass überreichte auch Folkert Frels aus Uelzen dem Verein eine Liste, auf der 180 Personen sich dafür aussprechen, einen Platz in Uelzen nach Schamuhn zu benennen: „Reinhard Schamuhn hat in Uelzen so viel angeschoben, wir haben ihm viel zu verdanken. Deswegen sollten wir einen Platz, eine Straße, einen Weg, einen Brunnen in Uelzen nach ihm benennen“, fordern sie.

Von Diane Baatani

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