Zwischen Anfeindungen und Verständnis: Angelika Jahn ist seit über 20 Jahren Politesse in Uelzen

„Der Ton macht die Musik“

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Seit 20 Jahren und einem Monat macht Angelika Jahn schon den Job als Politesse, und sie hat Spaß bei der Arbeit. Denn schließlich dürfe sie täglich an der frischen Luft unterwegs sein, sagt sie, und habe von den Strafzetteln persönlich ja keinen Vorteil.

Uelzen. „Mir macht mein Job Spaß. “ Im ersten Moment klingt es seltsam, wenn Angelika Jahn das sagt. Denn die 57-Jährige ist Mitarbeiterin des Ordnungsamtes der Stadt Uelzen und kontrolliert gemeinsam mit sechs Kolleginnen im Stadtgebiet die parkenden Autos.

Und da bleibt es nicht aus, dass Angelika Jahn auch Strafzettel verteilen muss. Zwischen 20 und 30 solcher Tickets kommen durchschnittlich in einer Zwei-Stunden-Schicht zusammen, sagt sie. Dass die Autofahrer von den Verwarnungsgeldern nicht erbaut sind, sieht sie ein. Dass eine Kollegin von ihr dafür vor wenigen Tagen, wie berichtet, von einem aufgebrachten Autobesitzer tätlich angegriffen wurde, hingegen nicht. „Wir bekommen ja keine Provision für besonders viele Verwarnungen, wir machen nur unseren Job."

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Angelika Jahn macht ihn seit haargenau 20 Jahren und einem Monat. Sie persönlich sei noch nie tätlich angegriffen worden. Die verbalen Attacken allerdings kann sie schon gar nicht mehr zählen. Und wie genau sie in solchen Fällen beschimpft werde, mag sie am liebsten gar nicht erzählen. „’Schlampe’ ist da noch harmlos“, sagt sie. Und manchmal gingen die Beleidigungen derart unter die Gürtellinie, dass sie auch schon Anzeige erstattet hat. Dazu gehörte auch ein Fall, in dem ein wütender Parksünder Angelika Jahn mit Personen in der Nazi-Zeit verglichen hat. Da war dann Schluss für sie. „Man muss sich ja auch nicht alles gefallen lassen.“

Damit sich Situationen gar nicht erst zuspitzen, werden Angelika Jahn und ihre Kolleginnen in besonderen Deeskalationskursen geschult. Die Politesse weiß: „Es kommt auch immer darauf an, wie man auf die Leute zugeht. Wenn man selber freundlich ist und lächelt, sind die anderen auch entspannter.“ Manchmal aber gerate man einfach an Autofahrer, denen man noch so nett begegnen könne – die Situation werde trotzdem unangenehm. Angelika Jahns mehr als 20-jährige Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem die älteren Semester schnell aufbrausend seien und bei denen die Frauen. Unterm Strich gelte für sie in jeder Lage: „Ich lasse immer mit mir reden. Nur der Ton macht die Musik.“

Glücklicherweise gebe es auch Menschen, mit denen der Umgang Spaß mache, sagt Angelika Jahn. Nicht nur, dass sie mittlerweile ihre Pappenheimer kennt, das Grüßen von Taxifahrern, Polizisten und Busfahrer Pflicht ist und jede Ausrede mindestens schon ein Mal gehört hat (die häufigste ist übrigens: „Ich war nur mal eben Geld wechseln...“) – Angelika Jahn erinnert sich gern an einen Autofahrer, bei dem sie aus für sie nachvollziehbaren Gründen mal kulant gewesen ist. „Den Herrn hatte ich nur mündlich verwarnt. Ein paar Tage später rief dann plötzlich jemand hinter mir her: Es war besagter Mann, und er hatte ein Eis für mich geholt.“

Von Ines Bräutigam

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