„Den Pass schnell gespielt“

Uelzen - Von Marc Rath. Nach nur vier Monaten ist der auf ein Jahr angelegte Testversuch einer Fußgängerzone in der Veerßer Straße beendet. Der Stadtrat hob gestern Abend auf einer Sondersitzung einmütig die im Juni mit knapper Mehrheit von SPD und FDP beschlossene Verbannung des Autoverkehrs im Abschnitt zwischen dem Alten Rathaus und der Turmstraße wieder auf – nur die SPD-Ratsherren Uwe Holst und Heinz Voigtländer stimmten dem nicht zu.

Baudezernent Karsten Scheele-Krogull kündigte an, dass im Laufe des heutigen Vormittags die neuen Schilder aufgestellt werden: Aus der Fußgängerzone wird jetzt ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Fahrzeugverkehr in beiden Richtungen, der jedoch auf Tempo 10 beschränkt ist. 25 Parkplätze werden in diesem Abschnitt eingerichtet. Die neuen Bänke, Blumenkübel und Fahrradständer sollen weitgehend stehen bleiben oder versetzt werden.

Bis Januar soll jetzt eine „Beobachtungsphase“ gelten, so Scheele-Krogull. Gemeinsam mit den Anliegern werde danach eine dauerhafte Lösung „mit optischen Einengungen“ erarbeitet. Der Baudezernent rechnet damit, dass die Umbauten im Sommer erfolgen.

„Dies ist ein Konsens, der uns ganz gut tut“, lautete das Fazit des CDU-Fraktionsvorsitzenden Stefan Hüdepohl. Die Initiative der Anlieger der Veerßer Straße habe dazu maßgeblich beigetragen: „Sie haben den Pass gespielt, wir haben ihn aufgenommen und schnell weitergespielt und der zuletzt schwächelnde Sturm hat ihn reingemacht.“ Dies beweise, dass die „Mechanismen der Politik“ in Uelzen noch funktionierten, meinte der Christdemokrat – „Bürger können mit vernünftigen Argumenten auch durchdringen“.

„Wenn diese Initiative bereits vor einem Jahr dagewesen wäre, hätte es die Fußgängerzone gar nicht gegeben“, prophezeite SPD-Fraktionschef Ralf Munstermann. Gescheitert sei jedoch „nicht die Fußgängerzone, sondern das Handeln“, meinte der Sozialdemokrat: „Wir hatten nicht das nötige Geld in der linken und den Bagger in der rechten Hand, um etwas Vernünftiges zu gestalten.“ Die neue Lösung sei „ein Kompromiss, der uns sehr schwer gefallen ist“, der aber zeige, „dass wir in kurzer Zeit reagieren können“.

Munstermann sorgte damit für damit Widerspruch im Plenum und im Zuschauerraum. „Wortreich versuchen Sie etwas zu bemänteln, was eine Katastrophe war“, hielt ihm der ehemalige CDU-Fraktionschef Heinz-Joachim Höfer vor. „Das ist eine Frechheit“, war Handelsvereins-Vorsitzender Uwe Schwenke nach der Sitzung sichtlich verstimmt: „Unsere Argumente wurden doch ignoriert, weil der Bürgermeister und die SPD unbedingt diese Fußgängerzone haben wollten.“

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