Uelzen im Ausnahmezustand / Stadthalle mit Demonstranten überfüllt

Großdemo legt Uelzens Innenstadt lahm

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Geschlossene Türen: Die Stadthalle ist voll mit Demonstranten, etliche Leute protestieren auf dem Vorplatz.

tm Uelzen. Es ist 17.39 Uhr, als Stadthallen-Chef Andreas Holleman den Haupteingang schließen muss. Erst in 20 Minuten soll eigentlich die Informationsveranstaltung der Deutschen Bahn beginnen und pausenlos strömen weitere Menschen auf den Vorplatz.

Sie müssen draußen verfolgen, was drinnen gesagt wird, doch das tut der guten Stimmung keinen Abbruch - ganz im Gegenteil. Die Stimmung ist entspannt und gelöst. Das Thema aber selbst ist umso ernster und deshalb erlebt Uelzen momentan eine der größten Kundgebungen der letzten Jahrzehnte. Es geht um die Frage, auf welchen Routen die Bahn künftig ihren Güterverkehr von Nord nach Süd abwickelt, ob sie dazu neue Trassen durch die Region baut und so die Lebensqualität der Menschen bedroht.

Wie viele Protestler den Bahn-Vertretern einen lautstarken Empfang bereiten, ist schwer zu schätzen. Die Veranstalter sprechen von einigen tausend Teilnehmern, ganz so hoch will die Polizei die Zahl nicht setzen. Fest steht: Allein in der Stadthalle sitzen mehr als 700 Männer und Frauen und auch der Vorplatz ist gut gefüllt. Zuvor waren schon mehr als 120 Traktoren in einem Protestzug vom Albrecht-Thaer-Gelände durch die Innenstadt zur Stadthalle gerollt und hatten den Verkehr weitgehend lahm gelegt. Dutzende Tröten, Trillerpfeifen und Rasseln ertönen, als die Vertreter der Deutschen Bahn vom Parkplatz in die Stadthalle gehen. Auch auf Transparenten können die Referenten lesen, was die Demonstranten von ihren Plänen halten: „Die Schnucken fliehen wie im Wahn, wenn es kommt die Eisenbahn“, heißt es da. Vorher hatte man sich schon musikalisch eingestimmt: „Wir sind die Heide-Sachsen, aus Widerstand gewachsen“, ertönte frei nach Heinos Version vom Niedersachsenlied.

Bürgermeister Otto Lukat hat sich unter die bunte Protestschar gemischt und lobt die Initiativen: „Das dürfte den Bahn-Vertretern einen nachhaltigen Eindruck davon geben, wie groß die Betroffenheit hier ist“, stellt das Stadtoberhaupt fest. Es sei mehr als gerechtfertigt, sich zu engagieren: „Die Betroffenheit ist groß“ – und das gleich im doppelten Sinne. Und tatsächlich bleibt die Großdemonstration bei den Vertretern der Bahn nicht ohne Wirkung: „Das haben die schnell und gut organisiert, es ist schon beeindruckend, was hier auf die Beine gestellt wurde“, sagt Michael Baufeld, Sprecher für Bahn-Großprojekte, zur AZ.

An zehn verschiedenen Standorten hat die Bahn die verschiedenen Trassen-Modelle bereits vorgestellt, Uelzen ist die letzte Station, die bereits zum zweiten Mal besucht wird: „Die Initiative zu dieser Informationsveranstaltung ging vom Landrat aus und wir sind natürlich gesprächsbereit“, betont Baufeld. In Dialogrunden soll jetzt in den nächsten Monaten diskutiert werden, welche Trassen zu bevorzugen sind. „Der Bund schaut sich diese Empfehlung dann unter volkswirtschaftlichen Aspekten an und dann gibt es voraussichtlich im Jahr 2016 eine Entscheidung“, erläutert der Bahnsprecher das weitere Procedere. Und 2030 könnte dann schon weit mehr Güterverkehr durch den Kreis Uelzen rollen.

Von Thomas Mitzlaff

Wir berichten am morgigen Freitag ausführlich im E-Paper und in der gedruckten AZ.

Fotos von der Demonstration

Demonstration gegen Y-Trasse

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