Rat beschließt: Entwurf von Claus Kobernuß wird an Rathaus-Kreuzung realisiert

Debatte um Uelzener Kunstwerk: Freie Fahrt für die „Venuskogge“

An der Kreuzung am Alten Rathaus soll das Kunstwerk aufgestellt werden.
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An der Kreuzung am Alten Rathaus soll das Kunstwerk aufgestellt werden.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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An der Kreuzung am Alten Rathaus wird die „Venuskogge“ als Kunstwerk aufgestellt. So hat es der Uelzener Rat entschieden. Zum Schluss gab‘s launige Kommentare. 

Uelzen – Als am Montagabend alles entschieden war, ergriff der Ratsvorsitzende Uwe Holst noch einmal das Wort und quittierte die mehr als zwei Jahre andauernde Suche nach einem Kunstwerk für die Kreuzung am Alten Rathaus in Uelzen mit einem launigen Kommentar: „Es ist schon interessant, was aus der ursprünglich angedachten Statue einer Frau, die mit Flachs handelt, geworden ist.“

Ein Satz, der sicherlich fiel, weil das, was nun geschaffen wird, mit diesem Ursprungsgedanken nicht viel gemein zu haben scheint. Auf den ersten Blick zumindest. Auf dem elf Quadratmeter großen Platz wird die sogenannte „Venuskogge“ entstehen. So hat es der Rat am Montag mehrheitlich entschieden – der Entwurf von Claus Kobernuß, kreativer Kopf und bei „Leben leben“ Ausbilder in den Werkstätten, hat die meisten Stimmen auf sich vereinen können.

Das Kunstwerk verbindet das Thema Frauen, in Form des Venus-Symbols, mit der Hanse, dargestellt durch die Kogge.

22 Ratsfrauen und -männer stimmten dafür, dass der Entwurf nicht nur mit 5000 Euro prämiert, sondern auch realisiert wird. Sieben stimmten dagegen, fünf enthielten sich. Auf Platz zwei landete der Entwurf zur Spindelfrau von Simona Staehr und auf Platz drei die Hansefrau von Flora Miranda Seierl.

Jury wählt aus, Politik entscheidet

Im Entwurf der Venuskogge ist einerseits das Symbol der Venus zu entdecken, es stehe für „alle Frauen, egal welcher Herkunft oder welchen Standes“, wie Kobernuß in seinem Konzept zum Kunstwerk erklärt. Andererseits gebe es mit der Grundform einer Kogge einen Bezug zur Hanse – jenem Handelsverbund, dem auch Uelzen vor Jahrhunderten angehörte. Die Kogge war ein wichtiges Transportmittel. Und bekanntlich gehören zu Uelzen auch seine Schiffe, wie jenes Jahrhunderte alte und in Gold gefasste, das in St. Marien sowie in stilisierter Form in Logos der Stadt zu entdecken ist, was vielleicht zu dem ebenfalls von Uwe Holst am Montagabend formulierten Satz passt: Zwischenzeitlich habe er die Prognose zum Kunstwerk abgegeben, dass es am Ende ein Schiff werden könnte.

Dass die Entscheidung des Rates in solchen Bemerkungen des Ratsvorsitzenden mündete, anstatt in Lobeshymnen, hängt mit dem Diskussionsprozess zum Kunstwerk zusammen. Dieser war alles andere als einfach. Da war zum einen das Prozedere, wonach eine 17 Köpfe zählende Jury aus allen eingereichten Entwürfen die aus ihrer Sicht besten auswählte, während die Politik letztlich die Entscheidung traf.

Nach Votum detaillierte Planung

Da rieben sich Beteiligte andererseits auch an Fragen auf, wie sehr beispielsweise Kunst im öffentlichen Raum gegenständlich sein muss oder soll. Sie habe sich, gab Silja Eichmann-Bartels (CDU) in diesem Zusammenhang im jüngsten Kulturausschuss zu Protokoll, als Jurymitglied wegen ihrer Haltung manchmal „etwas gemobbt“ gefühlt.

Kristina Nenke (SPD) hatte den Stein 2019 ins Rollen gebracht, indem eine Frauenstatue an zentralem Platz vorgeschlagen wurde. Und dies, nachdem der – ebenso kontrovers diskutierte – Wiederaufbau des Verkehrsturms zu den Akten gelegt worden war. Im Rat sagte sie vor der Abstimmung unter dem Eindruck der vorangegangenen Diskussionen: „Wir wollten Frauen sichtbar machen.“ Entweder man entscheide sich für einen der Entwürfe oder es komme nichts.

Der Kulturdezernent der Hansestadt, Dr. Florian Ebeling, erklärt gegenüber der AZ, dass nun nach dem Votum in die detaillierten Planungen eingestiegen werden müsse. Eine Sprecherin von „Leben leben“ – Claus Kobernuß war aus gesundheitlichen Gründen gestern nicht erreichbar – erklärte, für einzelne Elemente der Venuskogge müssten Aufträge erteilt werden. Es sei schon aber eine zügige Realisierung vorgesehen. Als Kosten für die „Venuskogge“ sind 35000 Euro angesetzt.

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