„Das Meiste ist frei erfunden“

Jörg Hillmer

Suderburg - Von Jörn Nolting. Die Bürgerinitiative (BI) Pro Suderburg hat mächtig Staub aufgewirbelt. In einem offenen Brief an den Landwirt Jörg Hillmer, der gemeinsam mit einem Landwirt aus Nettelkamp eine Biogasanlage plant, bittet die BI die beiden Landwirte, ihr Vorhaben zu überdenken.

Nun meldet sich Jörg Hillmer zu Wort: „Allen, die in den letzten Wochen etwas irritiert von den Protesten in Suderburg gehört und gelesen haben, möchte ich sagen: Suderburg ist ein sehr guter Investitionsstandort und Suderburg ist aufgeschlossen für erneuerbare Energien. Wir haben Windkraft und Biogasanlagen und bilden an der Hochschule Suderburg Bauingenieure aus, von denen nicht wenige ihren Beruf in der Biogasbranche finden. Wir würden es auch sehr begrüßen, wenn einer oder auch mehrere dieser gut ausgebildeten Ingenieure hier in Suderburg den Sprung in die Selbstständigkeit wagen würden – gerne auch im Biogasbereich; denn es gibt keinen Hochschulstandort in Deutschland, der mehr Kompetenz in der biologischen Behandlung von Flüssigkeiten hat.“

Klare Worte findet Hillmer in Bezug auf die aufgestellten Vermutungen: „Was ist wahr und was nicht? Hähnchenmast und das meiste andere ist frei erfunden.“ Richtig ist, dass es ein Antragsvorgespräch im September zur Errichtung einer Biogasanlage gab, aber keinen Antrag. „Den wenigen Anwohnern, die mich direkt angesprochen haben und darum gebeten haben einen anderen Standort zu wählen, habe ich selbiges zugesagt. Und das gilt“, verspricht der Suderburger Landwirt und wirft der BI mangelndes Interesse vor: „Es geht von Anfang an nicht um die Sache, sondern ausschließlich um politische Agitation – warum auch immer.“ Erschüttert ist er allerdings von der Radikalisierung der Auseinandersetzung: „Drohungen gegen mich und Stilllegungsandrohungen gegen die Firma Valenzi, den größten Arbeitgeber im Ort, verlassen jede Verhältnismäßigkeit.“

Man stehe doch gerade am Anfang eines langen, steinigen Weges – dem Umbau der Energieversorgung. Die erneuerbaren Energien, die Kernenergie, Kohle, Öl und Erdgas ersetzen müssen, machen gerade erst 16,3 Prozent der Stromerzeugung und 10,4 Prozent des Gesamtenergieverbrauches aus. Bis zur Komplettversorgung wird eine Verzehnfachung benötigt. „Wer glaubt denn ernsthaft, dass das ohne jegliche Beeinträchtigung zu haben sein wird?“ fragt Hillmer.

Biomethan hat eine zentrale Bedeutung, weil es speicherbar ist für die Tage, an denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. „Wie soll der Ausstieg aus der Kernenergie und der klimaschädlichen Verbrennung von fossilen Kohlenstoffen erreicht werden, wenn nacheinander alle Alternativen kaputt geredet werden? Wir haben es als Bürger doch selbst in der Hand: Durch den Einspeisevorrang der erneuerbaren Energien werden ganz automatisch nacheinander und völlig unabhängig von vereinbarten Laufzeiten die Großkraftwerke stillgelegt, wenn mehr Strom regenerativ erzeugt wird“, so Hillmer.

„Wir hinterlassen alle unseren Kohlenstoffdioxid-Fußabdruck auf dieser Erde, wenn wir Auto fahren, die Wohnung heizen oder Strom verbrauchen. Das ändern wir nicht durch Worte, sondern nur durch Taten. Ich heize komplett mit Holz, auch wenn das mühsam und schmutzig ist, erzeuge mehr Strom auf meinen Dächern als ich selbst verbrauche und bin fasziniert von der Idee, Gülle und Pflanzenreste in einer Biogasanlage zu Strom und Wärme umzuwandeln. Schade, dass die vielen Worte, die einige zu so vielen Themen verlieren, nicht verstrombar sind“, bedauert der Suderburger Landwirt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare