Stadt beklagt gravierende Statik-Mängel / Umbau wird teurer

„Das gesamte Alte Rathaus schwimmt“

Untersuchungen haben ergeben, dass die Bausubstanz im Alten Rathaus deutlich maroder ist als erwartet. Daher wird sich der Umbau zum neuen Domizil der KVHS von 1,85 auf 2,5 Millionen Euro verteuern.

Uelzen. Im Alten Rathaus an der Veerßer Straße biegen sich die Balken – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Untersuchung des denkmalgeschützten Gebäudes durch Fachingenieure, Denkmalpfleger, Planer und Statiker hat erhebliche Mängel in der Bausubstanz zutage gefördert, mit denen die Stadt vorher nicht gerechnet hat.

Und das hat Folgen: Nach Auskunft der Stadt werden sich die Kosten für den Umbau des Alten Rathauses zum neuen Domizil der Kreisvolkshochschule (KVHS) deutlich erhöhen. Mit Ausgaben von rund 1,85 Millionen Euro hatte die Verwaltung ursprünglich gerechnet, nun geht sie von 2,5 Millionen Euro aus. 75 Prozent dieser Summe sollen mit Ziel-1-Fördermitteln der EU finanziert werden. Zugleich wird sich der Einzug der KVHS um voraussichtlich zwei Monate verzögern. Als neuen Termin peilt die Stadt nun den 1. Juli 2012 an.

„Die Verkleidungen, Aus- und Umbauten mit einhergehenden Nutzungsveränderungen im über 650 Jahre alten Bauwerk haben unerwartet gravierende Schäden verdeckt“, sagt Stadt-Pressesprecherin Ute Krüger. Diese Mängel seien erst deutlich geworden, nachdem alle Fundamente, tragenden Bauteile und Balken freigelegt worden waren.

So besteht der vorgefundene Baugrund aus mittelalterlichen Feldstein-Fundamenten und ist deshalb nicht mehr ausreichend tragfähig. Der Boden ist in einigen Bereichen abgesackt, die Schäden sind laut Krüger irreparabel. „Das gesamte Gebäude schwimmt“, ergänzt Baudezernent Karsten Scheele-Krogull. „Im schlimmsten Fall ist zu befürchten, dass das Gebäude zur Seite wegrutscht und sich massiv zusammenfaltet.“

Daher muss unter das Altes Rathaus ein tragendes Plattenfundament aus Beton gesetzt werden. Ebenso wird die Stadt zur Stabilisierung des gesamten Gebäudes Stahlrahmen einbauen. Auch die Deckenbalken haben sich verzogen – dort sind große Niveau-Unterschiede erkennbar. Nicht zuletzt weist die Dacheindeckung Feuchtigkeitsschäden auf und muss erneuert werden. „Wir haben die Mehrausgaben für unvorhersehbare Baumängel bereits in der ursprünglichen Planung großzügig kalkuliert. Aber das Maß dessen, mit dem wir rechnen mussten, wurde deutlich überschritten“, erklärt Scheele-Krogull. Allerdings entstünden die Mehrkosten unabhängig von der Art der künftigen Nutzung des Alten Rathauses, betont Bürgermeister Otto Lukat.

Nun will die Stadt die erhofften Fördermittel umschichten: Die zusätzlich erforderlichen 650 000 Euro sollen bei anderen geplanten Ziel-1-Projekten eingespart werden. Das hat der Verwaltungsausschuss jetzt beschlossen. Betroffen sind der Einbau eines Aufzugs im Parkhaus am ZOB, die vorgesehene Fahrradstellanlage am Bahnhofsvorplatz, die Neugestaltung der Fußgängerzone auf der Bahnhofstraße und der Umbau des Schnellenmarktes. Das bedeutet laut Krüger aber nicht, dass diese Projekte gestrichen werden, sondern dass die Stadt sie möglicherweise in abgespeckter Form umsetzt oder zeitlich verschiebt.

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare