„Das ist frustrierend für alle“

Die Verkehrsbelastung auf der B 4 in der Ortsdurchfahrt von Kirchweyhe wird immer stärker. Doch der Bau der dringend benötigten Ortsumgehung ist nicht vor 2013 in Sicht. Daher hat die Bürgerinitiative des Ortes nun neue Protestaktionen angekündigt.

Uelzen-Kirchweyhe - Von Bernd Schossadowski. Er hatte gehofft, dass der Bau der Kirchweyher Ortsumgehung bereits in diesem Jahr beginnen könnte. Umso frustrierter ist der Ortsrat Kirch- und Westerweyhe, dass das lang ersehnte Projekt nach den Worten von Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) aus finanziellen Gründen nicht vor 2013 starten wird (AZ berichtete). „Das ist frustrierend für alle“, sagte Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Stöcks (CDU) am Montagabend im Ortsrat. Und er gab zu: „Die Nerven von allen sind strapaziert.“

Der Ortsrat, so Stöcks, sei bis zuletzt hoffnungsvoll gewesen, dass die Ortsumgehung – als dringend erforderliche Entlastung der B 4 – bald gebaut wird. Schließlich habe die Stadt Uelzen die Planungskosten vorfinanziert, um das Vorhaben zu beschleunigen. Zudem habe das Wirtschaftsministerium noch im vergangenen Jahr signalisiert, dass der etwa 7,7 Millionen Euro teure Bau zügig beginnen könne. Umso enttäuschter war Stöcks, dass die Ortsumgehung auf der Prioritätenliste des Landes derzeit nur an dritter Stelle steht. „Nichts hat eben eine kürzere Halbwertszeit als die Aussage eines Landes- und Bundespolitikers“, meinte er.

Auch Ortsratsmitglied Karl-Heinz Günther (CDU) war wenig erfreut über den verschobenen Baubeginn: „Wichtig ist aber, dass wir an Nummer drei bleiben und nicht irgendwer dazwischengeschossen wird.“ Wie dringend der Handlungsbedarf angesichts der hohen Verkehrsbelastung sei, betonte Ute Chlechowitz (SPD). „Man kann sich nicht vorstellen, was sich durch Kirchweyhe wälzt“, erklärte sie. Das sei zum Beginn der Herbstferien am vorigen Wochenende besonders deutlich geworden.

Unterdessen will sich die Bürgerinitiative Kirchweyhe nicht länger mit dem sich immer weiter verzögernden Baubeginn abfinden. „Die zwölf Jahre, die wir daran arbeiten, sind für uns verdammt hart gewesen. Das geht uns an die Substanz und auch an den Kirchweyhern nicht spurlos vorbei“, berichtete Hans-Jürgen Chlechowitz, Sprecher der Initiative. Daher werde man die Protestaktionen für den Bau der Umgehungsstraße mit neuer Entschlossenheit fortsetzen. „Wir haben viele Ideen, wollen jedoch nicht mehr ganz so brav sein“, kündigte er an, ohne Details nennen zu wollen. „Aber alles geschieht natürlich in Rücksprache mit der Polizei.“

Zehn Mitglieder zählt die Initiative derzeit. „Aber wenn es darauf ankommt, können wir auch 500 Leute für Aktionen mobilisieren“, sagte Hans-Jürgen Chlechowitz. Daran hat es in den vergangenen Jahren nicht gemangelt. So wurden zum Beispiel Verkehrszählungen und Demonstrationen im Ort gestartet sowie Holzkreuze entlang der B 4 aufgestellt.

Uelzens Bürgermeister Otto Lukat hat für diese Form des Protests Verständnis. Die Stadt werde weitere „Aktionen innerhalb des Rechtsordnung mit großer Sympathie begleiten“, sagte er gegenüber der AZ. Aber auch auf die beiden heimischen Bundestagsabgeordneten Henning Otte (CDU) und Kirsten Lühmann (SPD) baut Lukat nun. „Wir hoffen, dass es ihnen gelingt, darauf hinzuwirken, dass der Bund den Anteil für Straßenbaumaßnahmen erhöht.“

Ähnlich sieht das Stöcks. Der Ortsrat müsse jetzt „nach vorne schauen und an einem Strang ziehen, damit das ab 2013 was wird“, sagte er und fügte augenzwinkernd hinzu: „Und wenn wir dazu die Aussage eines Politikers kriegen, sollten wir uns die unterschreiben lassen.“

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