„Die Brücke“ plant jugendpsychiatrischen Dienst / Facharzt-Sprechstunde eröffnet nächste Woche

„Das Angebot ergänzt sich prima“

Der Landkreis und der Verein „Die Brücke“ planen einen Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst, nachdem der Kreistag die Gelder dafür freigegeben hat. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Die Planungen für den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst laufen an.

Nachdem der Kreistag sich auf seiner Sitzung dazu entschieden hatte, 24 000 Euro für die Einrichtung einer halben Facharztstelle bereitzustellen, arbeiten nun das Jugendamt des Kreises Uelzen und der Verein „Die Brücke“ zusammen an der Organisation.

Die Anlaufstelle für Kinder- und Jugendliche soll in Kooperation mit der Psychiatrischen Klinik in Lüneburg eingerichtet werden. Hier sollen die Uelzener beraten und gegebenenfalls an andere Stellen vermittelt werden. Eine Konkurrenz zu der ambulanten Sprechstunde für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die die Seepark-Klinik in der kommenden Woche an der Gudesstraße in Uelzen offiziell eröffnet, sieht Kurt Spannig, Geschäftsführer der Psychiatrischen Klinik Uelzen, nicht. Er bezeichnet den kinder- und jugendpsychiatrischen Dienst, der eine Lücke in diesem Fachbereich im Landkreis Uelzen schließen soll, als niederschwelliges Angebot. „Wenn es um Therapien oder Behandlungen geht, wäre es der Ratschlag, zu einem niedergelassenen Arzt zum Beispiel an der Gudesstraße zu gehen“, so Spannig. Die Sprechstunde eines Arztes in dem Fachbereich sowie eine Tagesklinik für Kinder und Jugendliche in Uelzen widerspreche der Einrichtung des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes nicht: „Das Angebot ergänzt sich prima“, sagt Spannig.

Ulrich Fernim, Leiter der Seepark-Klinik in Bad Bodenteich, hatte kurz nach dem Kreistagsbeschluss Kritik an der Bereitstellung öffentlicher Gelder für den Verein „Die Brücke“ geäußert (AZ berichtete). Die Kosten der Praxis seines Unternehmens werde auch über Krankenkassen abgerechnet, betonte er im AZ-Gespräch. Dr. Ulrich Scheel bietet dort eine fachärztliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen an.

Die Kritik an der Anlaufstelle kann die Arbeitsgemeinschaft Soziale Dienste nicht nachvollziehen: „Seit Jahren fordern unisono alle Fachleute, die an der Beratung, Behandlung und Betreuung seelisch kranker Kinder und Jugendlicher beteiligt sind, eine Lösung der mangelhaften Versorgungssituation“, erklärt Christian Kienbaum aus dem Sprecherrat, zu dem Vertreter sozialer Einrichtungen aus dem Landkreis Uelzen gehören. „Zuletzt haben auch alle Fraktionen des Kreistags diesen Bedarf anerkannt.“

Die Seepark-Klinik entziehe sich „seit Jahren der Einbindung in die Strukturen und Netzwerke des Landkreises, zum Beispiel dem Sozialpsychiatrischen Verbund und der AG Soziale Dienste, in denen seit Jahren um diese Lösung gerungen wurde“, macht er seinem Ärger Luft. Der Antrag auf Errichtung eines Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes sei durch den Verein „Die Brücke“ Monate vor der Genehmigung einer Facharztstelle durch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen gestellt worden und das Initial zur nachhaltigen Verbesserung der defizitären Versorgungssituation im Landkreis gewesen, stellt Kienbaum klar.

Zudem sei der Bedarf an kinder- und jugendpsychiatrischer Versorgung ohnehin so groß, dass er nicht durch eine Facharztstelle gedeckt werde. „Dem Eindruck, den Herr Fernim vermitteln will, dass mit der Genehmigung eines Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes Steuergelder verschwendet würden, muss entschieden entgegengetreten werden – zum Wohle seelisch erkrankter Kinder und Jugendlicher im Landkreis.“

Von Diane Baatani

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