„Daraus haben wir einiges gelernt“

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Die Kontroverse um die Einrichtung und die spätere Aufhebung der Fußgängerzone auf der Veerßer Straße war aus Sicht von Bürgermeister Otto Lukat eines der bestimmenden Themen in der Stadt Uelzen im Jahr 2010.

Uelzen - Von Bernd Schossadowski. Das Streitobjekt befindet sich nur wenige Meter vom Amtszimmer des Bürgermeisters entfernt. Und so hat Otto Lukat das Hin und Her um die Veerßer Straße zwischen Herzogenplatz und altem Rathaus auch direkt verfolgen können. Im Juli 2010 wurde dieser Abschnitt auf Beschluss des Rates probeweise für den Fahrzeugverkehr gesperrt und in eine Fußgängerzone umgewandelt. Nach Kritik der Anwohner und aufgrund der ausbleibenden Belebung wurde diese Entscheidung im Oktober aber wieder rückgängig gemacht. Seitdem läuft dort Teil zwei der Probephase: Es entstand ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich, in dem maximal Tempo 10 gefahren werden darf.

„Aus diesem Prozess haben wir einiges gelernt“, gibt Lukat jetzt in seinem Jahresrückblick auf 2010 zu. Die neue Fußgängerzone habe „die erwünschte Akzeptanz nicht erreicht“. Deshalb sei es richtig gewesen, diese Entscheidung kurzfristig zu korrigieren. „Wichtig ist, dass wir jetzt eine gemeinsame Gesprächs- und Planungsebene mit den Anliegern erreicht haben.“ Über die endgültige Nutzung der Veerßer Straße wird die Politik dann im Verlauf dieses Jahres entscheiden.

Die Stadt habe gehofft, dass sich in dem verkehrsberuhigten Bereich eine Eigendynamik entwickeln würde. „Die gab es aber nicht. Es reicht eben nicht, dort nur neue Schilder und Blumenkübel aufzustellen“, zeigt sich Lukat selbstkritisch. Doch das war nicht das einzige Thema, das Uelzen im Vorjahr beschäftigte. Weitere wichtige Ereignisse und Entscheidungen aus Sicht von Lukat waren:

• Ukraine-Geschäft: Die Investitionen der Stadtwerke Uelzen als Gesellschafterin der „Sustainable Bio Energy Holding GmbH“ (SBE) in der Ukraine bewertet Lukat zwiespältig. Er hält die Geschäftspolitik der Stadtwerke, sich die Versorgung mit Rohstoffen zu sichern, grundsätzlich für richtig. Allerdings sei das Ukraine-Investment „nicht so gelaufen wie prognostiziert“. Lukat hält dieses „weiterhin für werthaltig“, gibt aber zu, „dass die Annahmen, die wir geäußert hatten, nicht so eingetroffen sind“.

• Farina- und Seebohmstraße: Die beiden Straßen werden auf Beschluss des Stadtrates umbenannt, weil ihre Namensgeber wegen ihrer Rolle während der NS-Zeit umstritten sind. „Die Umbenennung war eine konsequente und richtige Entscheidung“, sagt Lukat. Farina und Seebohm hätten „im Staatsgefüge eine Rolle gespielt, mit der wir uns heute nicht mehr identifizieren können“.

• Bau eines Marktcenters: Das Projekt auf dem ehemaligen Wochenmarktgelände am Veerßer Tor trägt nach Ansicht des Bürgermeisters dazu bei, Uelzens Rolle als Mittelzentrum zu stärken. „Neue Verkaufsformen wie Marktcenter ziehen die Leute an. Wir sind als Stadt gut beraten, davor nicht die Augen zu verschließen“, betont er. Die Stadt werde die Verhandlungen mit dem vom Rat ausgewählten Interessenten nun vertiefen.

• Haushaltslage: Die Verwaltung müsse alle möglichen Einsparpotenziale nutzen, um einem ausgeglichenen Etat „so nah wie möglich zu kommen“, betont Lukat. Dazu gehören für ihn weitere Kooperationen. So plädiert er für eine gemeinsame Dienstleistungszentrale für alle kommunalen Einheiten. Zudem müsse die Stadt ihre Haushaltsabschlüsse deutlich früher als in den vergangenen Jahren vorlegen. „Der jetzige Zustand macht uns keine Freude und ist auch für die Kommunalaufsicht eine Zumutung“, kritisiert er.

• Neue Gewerbeansiedlungen: Hier bewertet Lukat die Entwicklung als erfreulich. Der neue Standort des Firma Sabri Kuru in Neu Ripdorf und die geplante Ansiedlung der Firma Holz Bien im Uelzener Hafen brächten zahlreiche zusätzliche Arbeitsplätze. Jedoch bedauert Lukat die bevorstehende Schließung des Werkes der Firma Krings. Sein Fazit: „Insgesamt betrachtet, haben wir eine positive Ansiedlungsbilanz. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend 2011 fortsetzen lässt.“

• Krippen, Kitas und Schulen: Auf diesem Gebiet habe die Stadt im vorigen Jahr weitere Fortschritte gemacht. So seien bereits für rund 25 Prozent der unter dreijährigen Kinder Betreuungsplätze geschaffen worden. „Das ist eine unheimlich gute Leistung“, freut sich Lukat.

• Ausblick: 2011 stehen mehrere Bauprojekte an: Der Umbau des alten Rathauses zum neuen Domizil der Kreisvolkshochschule geht weiter. Überdies wird die Kita in Oldenstadt um eine Krippe erweitert, und am Ilmenauufer ist ein Mehrgenerationen-Spielplatz geplant. Lukat hofft auch, dass sich ein Investor für die Sanierung des maroden „Uelzer Hofes“ findet.

Personelle Veränderungen wird die Kommunalwahl am 11. September bringen. Dabei werden einige altgediente Ratsmitglieder ausscheiden. Lukat selbst steht nicht zur Wahl, seine Amtszeit endet erst am 31. Oktober 2014. Und dann hat der Bürgermeister noch einen ganz persönlichen Wunsch für 2011: „Ich hoffe, dass Teutonia Uelzen doch noch den Klassenerhalt in der Oberliga schafft.“

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