„Dann haben wir Pech“

Bald neuer starker Mann der SPD: Ralf Munstermann.

Uelzen - Von Marc Rath. Nur ein kleinster Kreis war eingeweiht. Und wie es heißt, hat Alt-Meister Peter Struck zu der Dramaturgie geraten: Uelzens SPD bereitet den Generationenwechsel vor. 19 Jahre Fraktionsvorsitzender Manfred Daum und 14 Jahre Vize-Bürgermeisterin Brigitte Struck – auf der Ratssitzung am 21. Juni soll das Geschichte sein.

Dass sich Manfred Daum Ralf Munstermann als seinen Nachfolger ausgeguckt hat, ist für Uelzens Kommunalpolitik wenig überraschend. Dass Daum und Vize-Bürgermeisterin Brigitte Struck sich ein Jahr vor der Kommunalwahl völlig aus dem politischen Geschäft zurückziehen wollen, verwundert dagegen fast alle.

Die Bombe platzte vor zwei Wochen am Ende der ersten Fraktionssitzung nach langer Zeit. Zuletzt hatten SPD und FDP immer gemeinsam getagt. Eine Aussprache unter Genossen hatte der Parteivorstand über Wochen eingefordert. Nicht zuletzt die Ukraine-Krise der Stadtwerke hatte manch einen Parteifreund auf den Plan gerufen. Deutliche Worte sollen an dem Abend gefallen sein.

Anschließend bat der Fraktionschef einen kleinen Kreis um sich – jene Mitglieder, die künftig neue Positionen erhalten sollten. Absolutes Stillschweigen wurde vereinbart – bis in einzelne Familien hinein.

Bis auf den Ratsvorsitzenden Munstermann ahnte bis dahin niemand aus der Runde von Daums und Strucks Plänen. „Das kann ich nicht“ und „Das will ich nicht“ waren von manch einem der überrascht bis überfahrenen Teilnehmern zu hören gewesen. So musste der bis dato oberste Strippenzieher anschließend auch bei einigen Personalien ein neues Netz knüpfen.

Gestern Morgen klang die Dramaturgie der vergangenen Tage, die von Sonder-Treffen, Kaffee-Runden und langen Telefonaten geprägt war, aus Daums Mund wie das Produkt einer kalkulierten Inszenierung. „Es haben nicht alle Hurra geschrien“, räumt er ein. Dass es bei einigen schlaflose Nächte gegeben habe und sich das alle erst einmal durch den Kopf gehen lassen mussten, „zeigt mir, dass die richtige Personalauswahl getroffen worden ist“, lobte er sich und die künftige Generation an der Fraktionsspitze. Mehr noch: Das neue Team sei „genauso gut“, mit Blick über den Wahltag hinaus „sogar noch besser“. Einstimmig seien in offener Abstimmung bei der Fraktionssitzung am Dienstagabend alle Personalien befürwortet worden, freut sich der Fraktionslenker über seine letzte politische Architektur.

Es sollte ein „klarer Schnitt“ sein, begründet Daum, warum er nicht nur das Amt, sondern auch sein Ratsmandat zurückgibt. Dieser Schritt erstaunt CDU-Fraktionschef Stefan Hüdepohl, der einen Ex-Vorsitzenden in seinen Reihen hat, am meisten. „Immerhin sind Frau Struck und Herr Daum für fünf und nicht für vier Jahre gewählt worden.“

Grünen-Fraktionsvorsitzende Ariane Schmäschke überkommt fast so etwas wie Mitgefühl mit dem politischen Mitbewerber: „Katastrophaler Stadthaushalt und zweifelhafte Ukraine-Geschäfte – die Erben sind nicht zu beneiden.“

Besonders heikel wirkt der radikale Wechsel mit Blick auf die Stadtwerke. Dort tauscht die SPD in einer sensiblen Zeit ihre komplette Mannschaft aus. Ralf Munstermann setzt nicht die Tradition fort und verzichtet auf den Aufsichtsratsvorsitz. Neben Beruf und Fraktionsvorsitz könne er diesen Aufwand derzeit nicht leisten, lautet seine Begründung. Das ist ein Grund, aber nicht der ausschlaggebende: Aufgrund seiner Freundschaft mit Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Schümann wäre diese Personalie nicht vermittelbar gewesen.

In den SPD-Reihen fand sich am Ende keiner, der diese Verantwortung übernehmen wollte. Der liberale Jörg Firus soll die Lösung aus der Not heraus sein. Das rot-gelbe Rathausbündnis will ganz offenkundig diesen wichtigen Posten nicht aus der Hand geben.

Der Freidemokrat aus Dörmte, der nur wegen seines Uelzener Zweitwohnsitzes noch dem Stadtrat angehört, steht jedoch selbst vor dem Rückzug aus dem Stadtrat. Firus, der vor anderthalb Jahren sein Uelzener Rechtsanwaltsbüro auf- und seine Zulassung zurückgab, ist derzeit auf Jobsuche. Findet er außerhalb der Stadt eine neue berufliche Zukunft, werde die ohnehin umstrittene Konstellation nicht mehr funktionieren, hatte er selbst eingeräumt. Aktuell sagt Firus: „Dazu sage ich erst etwas, wenn es soweit ist.“ Bei seinen SPD-Partnern nimmt man mangels Alternativen diesen Risikofaktor hin: „Dann haben wir halt Pech gehabt“, kommentiert ein Mitglied des Führungszirkels das mögliche Szenario.

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