Uelzen hat seit 15 Jahren einen Touristen-Magneten

Dank Friedensreich Hundertwasser: Kein Bahnhof wie jeder andere

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Über 14 000 Pendler täglich, über 10 000 Führungen im Jahr: Der Uelzener Bahnhof ist seit der Expo 2000 Pendler-Drehkreuz, Touristenattraktion, Wahrzeichen und ein Kunstobjekt zum Anfassen.

Uelzen. Kugeln, und Säulen, kräftige, bunte Farben und organische Formen – der Hundertwassser-Bahnhof strahlt seit nunmehr 15 Jahren eine freundliche, harmonische und angenehme Atmosphäre aus.

Der Künstler Friedensreich Hundertwasser hat hier anlässlich der Expo 2000 in Hannover seine Vorstellung einer individuellen, ökologischen Kunst, zum Anfassen und für jedermann umgesetzt. Allerdings ohne ihn jemals selbst zu sehen, er verstarb vor seiner Eröffnung.

Der Bahnhof ist dennoch ein Magnet für Touristen und Drehkreuz für bis zu 16 000 Pendler jeden Tag. „Nach einer schwierigen Phase, als wir anderthalb Jahre einen Leerstand hatten, weil der Pachtvertrag des Restaurants im Bahnhof auslief, geht es seit Ende 2011 wieder voran“, berichtet Ariane Schmäschke, Geschäftsführerin des Vereins Bahnhof 2000 Uelzen. Gut sei das Jahr 2014 gewesen, 2015 noch besser: „Wir haben wieder die 10 000er-Marke geknackt“, so Schmäschke weiter. Gemeint ist die Zahl der Führungen durch den Bahnhof. „Besucher, die den Bahnhof angucken, gibt es deutlich mehr“, ist sich Schmäschke sicher.

„Der Hundertwasser-Bahnhof ist die Touristenattraktion unserer Stadt“, befindet daher auch Bürgermeister Jürgen Markwardt. Der Bahnhof habe Uelzen über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht, gehöre zu Uelzen „und darauf sind wir stolz“.

Täglich führen Mitarbeiter des Vereins Bahnhof 2000 Besucher aus aller Welt durch den Bahnhof. Diese kommen bei Weitem nicht nur aus Niedersachsen. Reisegruppen aus Bayern sind genauso selbstverständlich, wie Schulklassen aus Schleswig-Holstein, Gäste aus dem europäischen Ausland, aus Afrika, Amerika, Neuseeland – und selbst eine Gruppe aus Südkorea habe sich schon mal nach Uelzen verloren, berichtet Schmäschke und dementsprechend fällt ihr Urteil aus: „Hundertwasser hat Freunde in der ganzen Welt.“

Neben Senioren sind Kindergarten-Gruppen und Schulklassen die Haupt-Besuchergruppen. Schmäschke erklärt: „Hundertwasser wird den Kindern im Kindergarten nahegebracht, in der Grundschule ist er Unterrichtsgegenstand.“ Durch die geschwungenen Linien, die kräftigen Farben, die Säulen, Kugeln und Spiralen sei der Bahnhof– ganz im Sinne Hundertwassers und im Wortsinn – auch Kunst zum Anfassen: Am Ende von Führungen dürften sich die Kinder eine Lieblingssäule aussuchen, nicht selten würden diese innig umarmt.

Für 2016 erwartet Schmäschke, dass der Projekt-Laden im Bahnhof, in dem Hundertwasser-Produkte verkauft werden, von der Hundertwasser-Stiftung zertifiziert wird. „Die Kunden können dann noch stärker darauf vertrauen, dass sie bei uns keinen Tant angedreht bekommen und dass wir wirklich wissen, was es mit Hundertwasser auf sich hat“, so Schmäschke. Dazu gehöre unter anderem die Verbindung von Natur und Architektur, die sich am Bahnhof vielfach zeige.

Die Einnahmen aus dem Laden kommen dem Verein zu Gute. Dieser fördert die Hundertwasser-Philosophie, aber auch Kunst und Kultur allgemein. Der Verein organisiert regelmäßig Ausstellungen und Konzerte im Bahnhof.

Von Steffen Kahl

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