Damit sich Arbeit lohnt

Forderte gerechte Löhne: Silke Kettner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Uelzen/Landkreis - Von Jürgen Köhler-Götze. Ausnahmsweise lagen die Schätzungen von Veranstalter und Polizei einmal gleichauf: Rund 500 Teilnehmer vermuteten beide Seiten bei der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftbunds zum 1. Mai auf dem Herzogenplatz. Deutlich mehr also als in den vergangenen Jahren.

Zudem waren erheblich mehr junge Gesichter unter den Teilnehmers zu entdecken. Die Stände auf dem Herzogenplatz waren ein wenig bunter als in den Jahren davor. Die Atomkraftgegner von der BI für Umweltschutz und Contratom waren vertreten, desgleichen die Varbitzer Initiative gegen Massentierhaltung, die BI gegen Nazistraßennamen, die SPD und erstmals auch die Linke, fein säuberlich von der SPD getrennt auf der anderen Seite des Platzes. Das zentrale Motto des DGB lautete in diesem Jahr: „Wir gehen vor! Gute Arbeit. Gerechte Löhne. Starker Sozialstaat.“

Rednerin Silke Kettner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bezog sich keineswegs nur auf den Bereich ihrer Gewerkschaft, als sie einen Mindestlohn von 8,50 Euro forderte. Im Bereich der NGG nannte sie im seit Jahren tariflosen Bäckerhandwerk einen durchschnittlichen Stundenlohn von fünf bis sechs Euro, im Hotelgewerbe sehe das kaum besser aus. „Billiglöhne sind eines reichen Landes wie Deutschland unwürdig!“, stellte sie fest. Mehr noch, sie seien kontraproduktiv.

Vor 20 Jahren hätte man beim DGB vielleicht noch mit Karl Marx argumentiert, der die Dummheit der Unternehmer einst beschrieb mit der Feststellung, jeder von ihnen wisse, dass ordentliche Löhne gezahlt werden müssten, denn nur die sorgten dafür, dass man die eigenen Produkte auch verkaufen könne. Nur, bitte schön, sollten doch die anderen Unternehmer damit zuerst anfangen, dann werde man schon folgen. Silke Kettner argumentierte mit dem Unternehmer Robert Bosch, der seinen Erfolg eben darauf zurückführte, dass er anständige Löhne zahlte. Löhne seien eben nicht nur ein Kostenfaktor, so Kettner.

4,5 Milliarden Euro wende der Bund für aufstockende Leistungen jährlich auf, allein in Niedersachsen seien es jedes Jahr 420 Millionen Euro, „wohlgemerkt für Menschen, die Arbeit haben, aber davon nicht leben können“. Diese Menschen, die Opfer einer verfehlten Politik seien, dürften nicht zu Tätern gemacht werden. „Der Sozialstaat kostet viel Geld“, so Kettner, „weil wir eine hohe Grundarbeitslosigkeit dulden.“ Mit den bekannten Folgen: Fast die Hälfte der Haushalte zahlt keine Einkommensteuer, weil sie zu wenig verdienen.

Die Kommunen und Landkreise gehen am Stock. Folge einer verfehlten Politik, so Kettler: „Wer den Staat erst arm macht und dann auf seine leeren Taschen verweist, der betrügt die Leute.“ Dazu gehöre auch der Mut der Politik, sich mit den Großen anzulegen.

Die Banker gehörten an die Kandare, so Kettner. Die Verursacher der Krise müssten zur Verantwortung gezogen werden. Schließlich seien die wahren Leistungsträger in dieser Gesellschaft die Arbeitnehmer und nicht die Herren Westerwelle und Co, die sich selbst dazu ernennen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare