Horst Saevecke: „Der Bau wird nicht zusammenbrechen“ / Friseure froh über Wiedereröffnung

Corona trifft Uelzener Handwerk unterschiedlich stark

Während es für Handwerker auf Baustellen einfacher ist, den Abstand zu wahren, dürfen Friseure ab Anfang Mai nur unter strengen Auflagen wieder ihre Betriebe öffnen.
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Während es für Handwerker auf Baustellen einfacher ist, den Abstand zu wahren, dürfen Friseure ab Anfang Mai nur unter strengen Auflagen wieder ihre Betriebe öffnen.

Uelzen – Horst Saevecke seufzt. „Das ist eine Situation, die haben wir noch nicht erlebt“, so der Kreishandwerksmeister. Die aktuelle Corona-Situation macht auch dem Uelzener Handwerk zu schaffen.

Dabei kommt es laut Saevecke auf die Branche an, wie stark die Unternehmen betroffen sind. Relativ entspannt ginge es zum Beispiel im Außenbau zu. Hier sei es durch die Arbeit an der frischen Luft einfacher, die Kontaktabstände einzuhalten.

Jedoch wirkt sich Corona auch auf die Auftragslage aus. Tischler seien hier zum Beispiel betroffen, sagt Saevecke, da diese häufig kleinere Arbeiten in Privathaushalten ausführen würden. Die Leute seien jedoch vorsichtiger geworden – sinkende Auftragszahlen sind die Folge.

Saevecke appelliert jedoch an die Kunden, erteilte Aufträge nicht zu stornieren. Bauen bliebe durch die Niedrigzinslage günstig und auch die Hygieneregeln würden eingehalten. Saevecke stellt die Frage in den Raum: „Warum sollte man das jetzt verschieben?“ Er habe aber Verständnis, wenn etwa die finanzielle Lage einen Strich durch die Bauvorhaben machen würde.

Zwar käme es außerdem zu vereinzelten Lieferengpässen, da viele Ersatzteile aus China oder Japan kämen, doch Saevecke ist sich sicher: „Der Bau wird nicht zusammenbrechen.“ Stärker als der Bau seien vielmehr die Friseure betroffen.

Das kann Claudia Schmidt, Obermeisterin der Friseurinnung, bestätigen: „Natürlich ist das für uns eine heftige Nummer.“ Ein Großteil der Betriebe habe kaum Rücklagen bilden können und sei daher nun auf die Soforthilfen angewiesen.

Das Problem hierbei: 450-Euro-Kräfte, von denen laut Schmidt viele bei den Friseuren tätig sind, sowie Auszubildende werden von den Hilfen nicht abgedeckt – und das, obwohl deren Kosten für den Arbeitgeber weiter laufen, da diese nicht in die Regelung der Kurzarbeit fallen. Auch laufende Kosten wie die Versicherung des Arbeitgebers würden nicht von der Soforthilfe abgedeckt. „Das macht die Geschichte nicht einfacher“, so Schmidt.

Daher ist man in der Branche nun froh, dass die Läden ab dem 4. Mai wieder geöffnet werden dürfen – wenn auch unter Auflagen. Dass die Friseure als eine der ersten Arbeitsfelder wieder tätig werden dürfen, ist laut Schmidt vor allem dem Zentralverband des Friseurhandwerks zu verdanken.

Dieser erarbeitete schon kurz nach der Schließung ein Positionspapier für die Politiker mit Vorschlägen und Maßnahmen, wie Friseure auch unter den Bedingungen der Pandemie arbeiten können. „Das ist erst mal nur die grobe Richtung und wird noch einmal von Experten gegengeprüft“, so Schmidt, doch ermögliche es trotzdem die frühe Öffnung der Friseurläden. Nun müsse man sich intern organisieren, um die Maßnahmen umsetzen zu können.

Doch Schmidt ist zuversichtlich, pünktlich am 4. Mai einsatzbereit zu sein. Denn im Friseurhandwerk gebe es ohnehin schon klare Richtlinien für Hygienestandards, etwa das regelmäßige Desinfizieren der Geräte: „Das ist sowieso obligatorisch.“

Nun drückt man bei den Friseuren die Daumen, dass die Maßnahmen greifen. Schmidt: „Wir hoffen inständig, dass wir nicht wieder einen Rückschritt machen. Das wäre fatal.“

VON DANIEL BIELING

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