Lieferengpässe und höhere Preise

Corona-Krise und Schiffsunglück im Suezkanal wirken sich bis Uelzen aus

Maik Schäfer ist Werkstattleiter bei Bikemaster in Uelzen.
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Maik Schäfer ist Werkstattleiter bei Bikemaster in Uelzen. Er sagt: „Jeder versucht, zu hamstern.“
  • Lars Becker
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Erst die Corona-Pandemie, dann das Unglück eines der größten Containerfrachter der Welt, der „Ever Given“, im Suezkanal: Dass die weltweit vernetzten Warenströme ins Stocken geraten sind, schlägt auch bis in die Hansestadt Uelzen durch.

Uelzen – Produktionsabläufe wurden unterbrochen, weil erst coronabedingte Einschränkungen dominierten und dann auch noch mehr als 400 Schiffe mit Konsumgütern, Rohstoffen und Bauteilen an einer der wichtigsten Wasserstraßen der Erde tagelang vor Anker lagen.

Maik Schäfer ist Werkstattleiter im Bikemaster Zweiradcenter Uelzen. „Viele Händler oder auch Fachmärkte haben Angst, dass sie nichts geliefert bekommen, und bestellen deshalb gleich mehr. Jeder versucht, zu hamstern. Die Nachfrage ist groß, dadurch steigt der Preis“, sagt er und nennt ein Beispiel aus dem letzten Jahr:

Drei Monate Lieferzeit für Fahrradschlauch

Da habe er auf eine bestimmte Sorte Fahrradschlauch drei Monate warten müssen. Üblich war sonst: morgens bestellen, am Nachmittag geliefert. „Auch wenn wir fast alles im Werkstattlager und genug Fahrräder im Laden haben: Wir haben seitenlange Rückstände. Es gibt ja nicht eine Kette, sondern 20 verschiedene. 200 bis 300 Räder fehlen, die wir sonst längst hätten“, so Schäfer, der etwa auf Shimano, den japanischen Weltmarktführer mechanischer Fahrradteile, speziell von Antriebs- und Schaltgruppen, verweist.

Fahrradhersteller und -entwickler wie Kalkhoff aus Cloppenburg seien in der Produktion eingeschränkt, weil Teile fehlten. „Shimano ist komplett leergekauft – und das in Zeiten des Fahrrad-Booms“, so Schäfer. Das führe dazu, dass selbst aus München potenzielle Käufer bestimmter E-Bikes anriefen, ob sie in Uelzen fündig werden könnten. Maik Schäfer selbst hat jetzt auch schon für 2022 Fahrräder geordert, um dann auch wirklich welche geliefert zu bekommen. „Dieses und nächstes Jahr wird das wohl noch so bleiben. Bestimmte E-Bikes kosten teilweise schon jetzt 250 Euro mehr – wegen nichts.“

Holzpreis verdoppelt sich in sechs Monaten

Angezogene Preise wie nie zuvor registriert auch Peter Rajewski, Niederlassungsleiter des Baucentrums Mölders in Uelzen. Baumaterial hat sich drastisch verteuert, etwa Holz, Farbe, Wärmedämmung oder Trockenbauprofile. Durch Corona wurden bei Herstellern Kapazitäten heruntergefahren, die jetzt steigende Nachfrage kann die Produktion kaum decken.

„Die Holzpreise haben sich im letzten halben Jahr verdoppelt, vor allem Amerika mit dem Konjunkturpaket und China kaufen jetzt den Markt leer. Aber auch Dämmung, Glaswolle, Kanalgrundrohre oder Styropor wird knapp und teuer. Wenn Ware da wäre, könnten wir sie sicher zum doppelten Preis nach Berlin liefern, sind aber bemüht, Bestände zu strecken und unsere Stammkunden zu versorgen. Demnächst liegen aber wohl die ersten Baustellen still“, fürchtet Rajewski, der angesichts von Material-Hamsterkäufen von einer weltweiten Verknappung spricht. „Wir würden natürlich jedem Kunden gerne auch in Sachen Preis einen Gefallen tun, uns sind aber die Hände gebunden.“

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