Das ist im Landkreis Uelzen nach dem Wegfall der Priorisierung los

Corona-Impfung: Bis zu 15 Ärzte werden angerufen

Coronavirus - Impfungen in Arztpraxen in Niedersachsen
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Eine Spritze mit einem Corona-Impfstoff liegt bereit: Die Nachfrage nach Schutzinjektionen in Arztpraxen ist groß.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Menschen ab 12 Jahre können sich jetzt um eine Corona-Impfung bemühen. Der Wegfall der Priorisierung führt aber zu teils bizarren Entwicklungen: „Menschen rufen in bis zu 15 verschiedenen Praxen an, um an einen Impftermin zu bekommen“, erklärt ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen im AZ-Gespräch.

Uelzen/Landkreis – Wer in diesen Tagen einen Termin bei seinem Hausarzt hat, bekommt einen Eindruck davon, wie sehr zurzeit die Praxen mit Corona-Impfungen befasst sind. Eingehende Anrufe drehen sich um einen Impftermin. Wer ohnehin in der Praxis ist, fragt nach. „Verifizierte Zahlen liegen zwar nicht vor. Aber in Gesprächen mit Ärzten zeigt sich: Fast 90 Prozent der Praxiskontakte drehen sich zurzeit um Impftermine“, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN).

Seit Montag ist die Impfpriorisierung aufgehoben – heißt: Menschen ab einem Alter von zwölf Jahren können sich um eine Impfung bemühen – ob nun bei einem niedergelassenen Arzt oder in einem Impfzentrum. Dabei sind, wie Detlef Haffke schildert, die zu Verfügung stehenden Impfstoffmengen gerade für Ärzte noch überschaubar. „Für Erstimpfungen standen je Arztpraxis in dieser Woche 28 Dosen Biontech und 20 Dosen Astrazeneca zur Verfügung.“

Die begrenzten Mengen führen teils zu bizarren Entwicklungen. „Es gibt Berichte: Menschen rufen in bis zu 15 verschiedenen Praxen an, um an einen Impftermin zu bekommen“, so Haffke. Kritisch dabei: „Andere Patienten, chronisch Kranke, die auf Termine und Medikamente angewiesen sind, dringen nicht durch.“

Für die beiden Landkreise Uelzen und Lüchow-Dannenberg wird in der Uelzener Stadthalle ein gemeinsames Impfzentrum unterhalten. Dort erhielten Menschen bereits Corona-Schutzinjektionen, noch bevor die Arztpraxen eingebunden wurden. In Niedersachsen ist auch für die 52 Impfzentren die Priorisierung beendet worden. Die zuständige Uelzener Kreisverwaltung informiert auf Anfrage: Zurzeit befinden sich weiterhin gut 10 000 Menschen aus den beiden Landkreisen auf der Warteliste fürs hiesige Impfzentrum.

Bisher seien keine signifikanten Effekte durch den Fall der Priorisierung festzustellen, so Sprecher Martin Theine. Er führt aus, dass die Warteliste grundsätzlich in chronologischer Reihenfolge abgearbeitet werde. „Allerdings ist die Terminfindung im Impfzentrum immer auch von den jeweiligen Bedingungen der Impfwilligen selbst abhängig. So wird jemand, der zum Beispiel ausschließlich freitagnachmittags einen Termin wünscht, regelmäßig erst später berücksichtigt werden können als jemand, der das Impfangebot täglich ohne zeitliche Einschränkungen wahrnehmen kann und dies dementsprechend auf der Warteliste hinterlegt hat“, so Theine.

In den Praxen sind die Ärzte und Mitarbeiter für die Terminvergabe verantwortlich. Die KVN könne, sagt Sprecher Detlef Haffke, angesichts des Wegfalls der Priorisierung keine Vorgaben machen, empfehle aber zunächst den Ärzten, noch all jene durchzuimpfen, die der Prio-Gruppe drei angehören. Das sind Menschen zwischen 60 und 70 Jahren, medizinisch vorbelastete Menschen und Mitarbeiter im Einzelhandel.

Die große Nachfrage in den Praxen erklärt sich Haffke auch damit: „Wir stehen vor den Sommerferien, und mit einer Impfung sind Freiheiten verbunden.“ Angesichts des Umstandes, dass nicht jedem Wunsch nach einer schnellen Impfung entsprochen werden könne, werde der Ton am Telefon auch rauer. Haffke erinnert daran, dass Arztpraxen nur so viele Dosen verimpfen könnten, wie ihnen zugeteilt würden. Ein Lichtblick: Für die letzten Juni-Wochen sei ihnen eine höhere Menge Impfstoff in Aussicht gestellt worden.

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