Bei fingierter Geldübergabe klicken Handschellen

Cleverer als die Täter: Uelzener Seniorin überführt Betrüger - Festnahme!

Eine über 80-jährige Frau aus Uelzen war nicht etwa ein leichtes Opfer: Sie machte alles richtig, rief die echte Polizei, spielte perfekt mit – und überführte so einen der Täter.
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Eine über 80-jährige Frau aus Uelzen war nicht etwa ein leichtes Opfer: Sie machte alles richtig, rief die echte Polizei, spielte perfekt mit – und überführte so einen der Täter.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Sie bauten nach bewährter perfider Masche telefonisch Druck auf, wähnten sich fast am Ziel – und hatten nicht damit gerechnet, dass ihr vermeintlich leichtes Opfer viel cleverer war als sie selbst: „Falsche Polizisten“ sind am Dienstagabend in Uelzen gescheitert.

Und dann klickten am Dienstag in den frühen Abendstunden in Uelzen die Handschellen! Der Polizei ist es gelungen, einen falschen „Zivilfahnder“, der im Rahmen der berüchtigten Betrugsmasche „Falsche Polizisten“ als Bote fungierte, auf frischer Tat bei einer fingierten Geldübergabe festzunehmen.

Zuvor war eine Seniorin aus Uelzen telefonisch unter Druck gesetzt worden. Nur für den Bereich Uelzen registrierte die Polizei am Dienstag alleine mehr als ein Dutzend solcher Betrugsversuche bei zum größten Teil älteren Bürgerm.

Angeblich Polizisten und Staatsanwalt am Telefon

Die Betrüger hatten die Über-80-Jährige aus Uelzen nach Polizeiangaben nachmittags angerufen und sich als Polizeibeamte sowie später auch als Staatsanwalt ausgegeben. „Nachdem die Betrüger die Dame unter fadenscheinigen Gründen befragt hatten, wollten sie der Frau weismachen, dass sie falsche Geldscheine in einem Schließfach hätte“, teilte die Polizei mit.

Die Frau aber schaltete richtig, kontaktierte die „echte“ Polizei, so dass Beamte des Kriminalermittlungsdienstes Uelzen in der Wohnung der Seniorin den Gesprächsverlauf mitverfolgen und den Geldabholer vorläufig festnehmen konnten.

Eigens zur Geldabholung nach Uelzen gefahren

„Bei diesem handelt es sich um einen 31-Jährigen aus Mecklenburg-Vorpommern, der mit einem Fahrzeug nach Uelzen gefahren war. Der Mann wird durch die Polizei vernommen. Die weiteren Ermittlungen zu dem Täter sowie den möglichen Hintermännern dauern an.“

In diesem Zusammenhang appelliert die hiesige Polizei erneut an Kinder, Lebenspartner und Angehörige von älteren Menschen: „Sprechen Sie aktiv über diese Betrugsmaschen und vereinbaren Sie Verhaltensweisen bzw. Gespräche miteinander bei möglichen Anrufen! Werden Sie aktiv! Es ist Ihr Erbe/Vermögen, welches in die falschen Hände gerät.“

Im Display steht eine falsche Nummer

Mit diesem Trick oder anderen Maschen sind Täter seit geraumer Zeit bundesweit aktiv. Sie täuschen unter anderem vor, Polizeibeamte einer örtlichen Polizeidienststelle, Kriminalbeamte des Landeskriminalamtes, des Bundeskriminalamtes oder auch einer Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei zu sein.

Die perfide Vorgehensweise wird durch einen technischen Trick unterstützt: Im Display des Telefons der Angerufenen wird die örtliche Vorwahlnummer zusammen mit der 110 eingeblendet oder einer örtlichen Polizeidienststelle. Dies soll die Behauptung untermauern, dass es sich bei den Anrufern um Polizeibeamte handelt.

Opfer werden in Angst versetzt

Es sind jedoch keine Polizisten am Telefon, sondern Trickbetrüger. Diese behaupten zum Beispiel, es habe zuletzt vermehrt Einbrüche in der Umgebung gegeben oder dass man bei festgenommenen Dieben einen Zettel mit der Adresse des
Angerufenen gefunden habe. Daher müsse man die Bargeld- oder Schmuckbestände überprüfen.

Es gibt aber auch andere Szenarien, die ebenfalls nur ein Ziel haben: Die Betrüger versuchen ihre Opfer auszuspionieren, um an ihr Hab und Gut zu kommen. Danach folgt das Angebot, den Schmuck oder das Bargeld von einem Kriminalbeamten abholen zu lassen. Dieser werde es an einen sicheren Ort bei der Polizei bringen. Durch diese Vorgehensweise werden die Opfer in Angst versetzt und die Betrüger haben bereits hohe Summen erbeutet, auch weil sie sofort nachsetzen und ihren Opfern kaum Gelegenheit geben, über das Gespräch nachzudenken.

Tipps zum Schutz vor Betrügern

  • Lassen Sie sich den Namen nennen, legen Sie auf, rufen Sie umgehend Ihre örtliche Polizeidienststelle über den Notruf 110 an und schildern Sie den Sachverhalt.
  • Geben Sie unbekannten Personen keine Auskünfte über Ihre Vermögensverhältnisse oder andere sensible Daten.
  • Öffnen Sie unbekannten Personen nicht die Tür.
  • Ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen, angebliche Mitarbeiter von Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichten oder Geldinstituten.
  • Wenn Sie Opfer eines solchen Anrufes geworden sind, wenden Sie sich in jedem Fall an die Polizei und erstatten Sie eine Anzeige.

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