Eigene Schneiderei und Schule gehören dazu / Klasse mit nur drei Schülern

Circus Krone zu Gast in Uelzen

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Tierpflegerin Eliane Stipka füttert ein Kamel und ein Zebra auf dem Gelände an der Albrecht-Thaer-Straße in Uelzen.

Uelzen – Während sich Mutter Eliane Stipka in den Morgenstunden um das Füttern von 40 Hengsten, vier Kamelen, drei Zebras und sechs Lamas kümmert, sitzt ihre Tochter Amy in einem Zirkuswagen und lernt Additionsaufgaben.

Die Zehnjährige geht wie ihre Gleichaltrigen zur Schule, doch ihre ist eine spezielle. Schließlich hat die Klasse von Lehrer Ulrich Siering aktuell nur drei Schüler. Nelly Biasini ist 13, Alexis Lacey-Krone elf Jahre alt. Alle drei haben ihren eigenen Lehrplan. Klassenarbeiten gibt es in Form von Aufgaben in den Schulheften.

200 Mitarbeiter umfasst das Team des Circus Krone, der seit gestern und bis Montag zu täglich zwei Aufführungen auf das Gelände an der Albrecht-Thaer-Straße in Uelzen einlädt. Der größte reisende Zirkus weltweit ist seit Mittwoch in der Hansestadt, um in einer von 27 Städten seine aktuelle, zweieinhalb Stunden dauernde „Mandana-Tour“ zu zeigen.

In der Unterrichtspause geht Amy gerne zu den Tieren. „Ich liebe Lamas“, sagt die Elfjährige, die fünf Sprachen spricht. Ihre Mutter Eliane Stipka ist das erste Jahr beim Circus Krone dabei und hat kein Problem mit dem Reisen. „Ich bin es nicht anders gewohnt. Zuhause auf unserem Hof in Tschechien sind wir selten“, sagt die gebürtige Italienerin, die mit ihrer Tochter Französisch spricht. Amys Vater Daniel Stipka tritt wie seine Frau in der Show als Artist auf und ist Regisseur.

„Unsere 34 Artisten stammen aus zwölf Ländern“, sagte Krones Pressesprecher Andreas Kielbassa. „Wir leben die Inklusion vor.“ 26 Löwen und Tiger gehören zum Zirkus. Kielbassa: „18 bis 20 Stunden schlafen sie allerdings am Tag.“

Schneiderin Iudita Dimoiu entwirft neue Kostüme für die Show des Circus Krone und nimmt Reparaturen vor. 

Mehr zu tun hat dagegen Iudita Dimoiu. Die Schneiderin entwirft neue Kostüme und kümmert sich um Reparaturen. „Am Jahresende gibt es immer viele Ausbesserungen“, sagt die Ungarin. Indes trainiert die Chefin Jana Mandana Lacey Krone in der Manege selbst mit ungarischen Hengsten, und zwar bereits für die nächste Wintersaison, die im Dezember starten wird.

Wie immer, wenn der Circus Krone auftritt, gibt es auch in Uelzen Kritik von der Tierschutzorganisation Peta wegen eines „gravierenden Tierleids und Verhaltensstörungen“ der Tiere bei Krone. Dem widerspricht das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“, indem es in einem Schreiben an Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt von manipulierten Videos spricht, die Peta verwende. Die Vorwürfe „fanatischer Tierrechtler“ seien „haltlos“. Elefanten treten im Circus Krone übrigens nicht mehr auf. Ihre fünf Tiere gab der Zirkus im März an einen spanischen Tierpark ab. Alte Pferde und Ponys gehen nicht mehr auf Reisen, sondern sind auf dem betriebseigenen Gestüt Wessling bei München zu Hause.

VON TIMO HÖLSCHER

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