Interview zum Marktcenter: „Charme der 70er muss weg“ - diskutieren Sie dazu in unserem Forum 

Für den Satzungsbeschluss gab es fünf Ja-Stimmen. Gegenstimmen kamen von Wolfgang Gartzke (WSH, WGS), Melanie Schiller (SPD), Rainer Deppe (WGS) und Rolf Buchholz (CDU). Markus Bauck (WGS) war verhindert.

Uelzen. Es ist eines der bedeutendsten Projekte dieses Jahrzehntes, das das Erscheinungsbild der Uelzener Innenstadt prägen wird: 25 Millionen will ein privater Interessent in den Bau eines Marktcenters auf dem ehemaligen Wochenmarkt sowie in eine Aufwertung der Schuhstraße investieren.

Der Handelsverein spricht in einem Brief von einem Projekt, dass für die Kernstadt von existenzieller Bedeutung sei und erwartet konkretere Informationen über das Vorhaben. Die AZ sprach mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Ralf Munstermann über das Projekt und künftige Gestaltungschancen der Innenstadt.

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Herr Munstermann, der Handelsverein bringt in seinem kritischen Brief zum Marktcenter-Projekt Stuttgart 21 ins Gespräch, also ein wichtiges städtebauliches Projekt, das an den Menschen vorbei geplant worden sein soll. Ziehen Sie sich diesen Schuh an?

Ralf Munstermann

Der Brief hat mich schon überrascht, auch der darin enthaltene Vorwurf, wir hätten den Handelsverein nicht ausreichend einbezogen. Herr Schwenke war bei allen, auch nicht öffentlichen Sitzungen dabei. Er müsste es besser wissen, als es der Brief aussagt. Kritik wird unter anderem daran geübt, dass bis heute nicht bekannt sei, welchen Branchenmix und welche Geschäfte ins Marktcenter einziehen und ob die Kernstadt dadurch womöglich dauerhaft an Bedeutung verliert. Natürlich sind wir bemüht, beim Branchenmix Überschneidungen zu vermeiden, aber letztlich können wir doch auch nicht verhindern, wenn in der Innenstadt selbst der sechste Bäcker oder Juwelier eröffnet. Dieser Konkurrenz muss man sich stellen im Wettbewerb.

Natürlich gibt es aber in der Ausschreibung gewisse Vorgaben. Daran muss sich der Investor halten, sonst muss neu verhandelt werden. Uns ist völlig klar, dass mit dem Bau am Veerßer Tor natürlich wirtschaftliche Interessen verbunden sind und dass das keine Wohltat eines privaten Investors ist. Dass das nicht allen Mitkonkurrenten gefällt, kann ich nachvollziehen.

Was passiert, wenn das Projekt nicht funktioniert und dort dann eine Betonruine steht?

Die Investoren glauben an ihren Erfolg, sonst würden sie wohl kaum 25 Millionen Euro investieren. Im Übrigen ist mir die Diskussion zu sehr auf den Marktcenter focussiert. Ich würde mir wünschen, dass man dieses Projekt als Teil einer Gesamtentwicklung der Innenstadt sieht, die eine so schnell nicht wiederkehrende Chance für Uelzen ist.

Was gehört noch zu dieser Gesamtentwicklung?

Zwingend verbunden mit dem Marktcenter ist der Umbau der Schuhstraße. In 2012 steht für über eine Million Euro die Umgestaltung der Fußgängerzone an, der Charme der 70er Jahre soll da verschwinden. Dann erwarten wir Veränderungen bei der Kaufhalle, auch für Uelzener Hof und Wachsmutsche Klinke gibt es konkrete Hoffnungen einer Bebauung.

Die Umgestaltung der Marktstraßen muss jetzt konkretisiert werden, inklusive der Gestaltung des Stadtmittelpunktes am alten Rathaus. Dann ist da der Umbau des alten Rathauses selbst und die eine oder andere private Modernisierungsmaßnahme.

In der Summe kann man sagen, dass wir eine Art Mini-Sanierung der Innenstadt sehen, die ein neues Innenstadtbild prägen wird.

Von Thomas Mitzlaff

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