Wiedereingliederungshilfe holt Abhängige aus ihrer Isolation

Chancen für Suchtkranke

+
Bevor es bei Suchtkranken zur Obdachlosigkeit kommt, will die Wiedereingliederungshilfe tätig werden. Sie hat das Ziel, mehrfach Erkrankten eine Lebensperspektive zu geben.

Uelzen. Der Herbergsverein hat in Uelzen eine Wiedereingliederungshilfe für Menschen eingerichtet, die suchtkrank und chronisch mehrfach beeinträchtigt sind. In anderen Landkreisen wie Lüneburg und Soltau besteht ein solches Angebot bereits.

Der Landkreis hat für das neue Programm der Wohnungsnotfallhilfe, die dem Herbergsverein angegliedert ist, erstmals die finanziellen Mittel bereitgestellt, sodass mit knapp über drei Stunden pro Woche Personen betreut und möglichst in die Gesellschaft integriert werden sollen, die meist in Folge einer Sucht mehrfach erkrankt sind.

Für diesen Personenkreis gab es in der Uelzener Einrichtung zuvor keine Hilfsmöglichkeiten, sagt Daniela Faber, Leiterin der Ambulanten Hilfen, zu denen die Wohnungsnotfallhilfe an der Veerßer Straße gehört. Diese Stelle richtet sich in erster Linie an Wohnungslose. Mit der Wiedereingliederungshilfe sollen Menschen erreicht werden, die in ihren eigenen vier Wänden leben, jedoch weder Aussichten auf erfolgreiche Abstinenz haben noch ihre Lebenslage selbstständig stabilisieren können. Ihnen wollen Arne Bergmann, Gabriele Dillmann-Zietlow, Niko Stojanovic und Simone Weiland von der Wohnungsnotfallhilfe Lebensperspektiven ermöglichen, sie aus der Isolation herausholen, bei Behörden-Anfragen helfen, ihre Gesundheit in den Fokus rücken und somit erreichen, dass sie auch weiterhin in ihren Wohnungen bleiben können, erklärt Arne Bergmann. Wenn deren Tagesdosis von Suchtmitteln sich zumindest verringern lasse, sei das als Erfolg zu werten.

„Wir kennen Menschen, die die Erfahrung gemacht haben, beim Arzt wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden und einfach nicht mehr zum Arzt gehen“, erläutert Daniela Faber. Diese Betroffenen seien stark verunsichert, eine Kleinigkeit könne einen Rückfall hervorrufen. Betroffen seien vor allem Abhängige, die bei reiner Alkoholsucht meist mit Mitte oder Ende 40 an weiteren Folgeerkrankungen leiden. Aber auch junge Menschen werden betreut, die in Folge von Drogencocktails soweit geschädigt sind, dass sie mehrfach erkrankt sind und ihr Leben nicht mehr in den Griff bekommen. „Die Zahl der jungen Erwachsenen nimmt leider zu“, sagt Daniela Faber. Wenn sie bestimmte Drogencocktails konsumierten, trete die Schädigung bereits mit Anfang 20 ein. Bei ihnen will das Team ebenfalls erreichen, dass sie einfachen Tätigkeiten nachgehen können, auch über die „neue arbeit“, eine Diakonische Gesellschaft für Arbeit und Bildung. Das Ziel wäre, auch Beschäftigungsverhältnisse über Maßnahmen der Agentur für Arbeit hinaus zu schaffen. Zunächst könnten Gruppenangebote, gemeinsames Kochen oder eine Rhythmus-Gruppe dabei helfen, den Tagen eine Struktur zu geben.

Von Diane Baatani

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare