Chance, glatt daneben oder nicht gekonnt?

Die Veerßer Straße

Von Marc Rath Uelzen. "Jetzt gilt es, das Beste daraus zu machen", kommentierte die neue Ratsvorsitzende Kristina Nenke (SPD) das knappe Abstimmungsergebnis von 19 und 18 für eine Erweiterung der Fußgängerzone. Die neue Frau an der Spitze des Rates hatte gestern Abend unmittelbar nach ihrer Wahl den mehr als einstündigen Disput zu moderieren, in dem zahlreiche Ratsmitglieder die Argumente der kontroversen Debatte nochmals in die Diskussion warfen.

Bürgermeister Otto Lukat (SPD) warb für "die große kleine Lösung" in der Veerßer Straße. Mit der in der Vorwoche von Sozial- und Freidemokraten modifizierte Variante eines einjährigen Probebetriebs "ohne Investitionen, die nicht rückholbar wären", so Lukats Formel, wolle die Gruppe nach den Worten des Bürgermeisters "allen die Entscheidung etwas leichter machen". "Es geht jetzt darum, einen Anfang zu machen, damit die Stadt sich entwickeln kann", warb der neue SPD-Fraktions-chef Ralf Munstermann.

Der neuesten Variante widersprach CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Hüdepohl vehement: "Es wird nichts bringen, zwölf Monate einfach dicht zu machen." Hüdepohl unterstrich noch einmal den Denkansatz seiner Fraktion, die Entwicklung durch die neuen Projekte am alten Marktplatz, Schuhstraße und Uelzener Hof abzuwarten. "Eine Fußgängerzone funktioniert nur mit einem Magnetbetrieb - und den haben wir nicht." Der Christdemokrat plädierte für eine Entscheidung in etwa einem halben Jahr. Bis dahin könne die eingesetzte Arbeitsgruppe weitere Ideen für die gesamte Innenstadt ausarbeiten.

Dass sich dieses Gremium nur mit Verkehrsfragen, aber nicht mehr mit der Attraktivität der Innenstadt beschäftigt hatte, kritisierte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ariane Schmäschke. "Es geht jetzt nur noch darum, abzusperren und Bänke aufzustellen", bezeichnete sie den neuen Vorstoß als eine "Verschlimmbesserung".

Gerald Röpe (FDP) mahnte, dass durch die Sperrung für den Autoverkehr "eine erhebliche Anzahl an Parkplätzen" verloren ginge. "Zum jetzigen Zeitpunkt glatt daneben", erneuerte der langjährige CDU-Fraktions-chef Heinz-Joachim Höfer seine Kritik. Er fürchtet, dass Einkaufskunden aus dem südlichen und östlichen Kreisgebiet nunmehr "direkt durchfahren nach Lüneburg".

"Wie Sie hier vorgehen, ist ein Armutszeugnis", konterte Ex-Landtagsabgeordneter Jacques Voigtländer. Der SPD-Ratsherr warb dafür, "es doch einmal zu probieren". Seine Parteifreundin Brigitte Schufmann sieht dies ebenso: "Geben Sie den Menschen eine Chance. Verhindern Sie nicht immer alles."

Der parteilose Olaf Päller (CDU-Fraktion) meldete sich in seiner ersten Ratssitzung ebenfalls zu Wort. Mehr Attraktivität durch eine Fußgängerzone sei "im Grunde nicht schlecht". Die vorliegende Variante wirke indes "gewollt, aber nicht gekonnt".

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare