Die AZ hat sich umgehört

Sollten Ein- und Zwei-Cent-Stücke abgeschafft werden?

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Ohne Ein- und Zwei-Cent-Münzen könnte das Portemonnaie bald viel leichter sein.

sob/dpa Uelzen/Landkreis. Fast jeder kennt es: Das Portemonnaie platzt vor lauter Kleingeld aus allen Nähten. Den nächsten Einkauf „klein“ zu bezahlen, wäre zwar möglich, aber eher unangenehm. Die Menschen an der Kasse, die hinter einem stehen, würden murren.

Das wirft die Frage auf: Brauchen wir das Kupfergeld überhaupt noch oder könnte man zumindest die Ein- und Zwei-Cent-Stücke abschaffen? Eine Umfrage des Hamburger Instituts „MyMarktforschung“ zeigt mit einer repräsentativen Studie: Gut 60 Prozent der 1000 Befragten könnten darauf verzichten. Besonders die 18- bis 29-Jährigen können mit dem Klimpergeld offenbar wenig anfangen.

Bei der Volksbank Uelzen-Salzwedel sei die Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Stücken bislang kein Thema gewesen, erklärt Marketingleiter Nico Neumann. Aber wenn es zu dieser Entscheidung käme, so wäre es eher entlastend für die Bank. „Wir hätten nichts dagegen“, sagt Neumann. Grund dafür sei der hohe Aufwand: Prüfen, Sortieren, Packen – und nicht zuletzt die Finanzierung. Neumann: „Eine Ein-Cent-Münze ist nicht für einen Cent herstellbar.“ Dass das Bargeld generell in den nächsten Jahren komplett abgeschafft und nur noch digital gezahlt würde, das kann sich Neumann nicht vorstellen. „Soweit wird es in den nächsten Jahren nicht kommen.“

Dennoch, so Wilhelm Bauck, Direktor Vertriebsmanagement der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg, zahlten inzwischen sieben von zehn Kunden lieber mit Karte. Bauck: „Ein Grund dafür ist, dass ein wachsender Anteil von Kunden Kleingeld umgehen möchte und daher mit Karte passgenau zahlt.“ Als Nachteil sieht auch Bauck die hohen Herstellungskosten. Andersherum könnten Zahlungen dafür auf den Cent genau erfolgen.

Laut Joachim Lotz, zweiter Vorsitzender des Handelsvereins für die Stadt Uelzen, beträfe eine Abschaffung der Münzen vor allem den Handel mit Treibstoffen und den Lebensmittelbereich, die den „optischen Preis“ in den Vordergrund stellen. Lotz: „Für den Verbraucher ist ein Preis von 4,99 Euro gefühlt nur 4 Euro plus x, während 5 Euro für das gleiche Produkt als zu teuer empfunden wird.“

Wer derweil in der dm-Filiale am Uelzener Hundertwasser-Bahnhof nach Preisen wie 4,99 Euro sucht, der sucht vergeblich. Erich Harsch, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung, teilt auf AZ-Nachfrage mit, dass die Drogerie-Kette seit Mitte der 1990er Jahre bei ihren Preisen konsequent auf 5er-Endungen umgestellt habe. An der Kasse werde ebenfalls auf 0er- oder 5-er Endungen abgerundet. Damit solle den Kunden und Mitarbeitern eine „komfortablere Kleingeldhandhabung“ ermöglicht werden. Harsch: „Selbstverständlich nehmen wir von den Kunden aber auch Ein- oder Zwei-Cent Münzen entgegen.“

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