Fraktionen diskutieren über gebührenfreien Nahverkehr

Busfahrt ohne Ticket im Landkreis Uelzen: Eine Utopie?

Ein Bus der RBB fährt am ZOB in Uelzen ein. Es ist eine Diskussion losgebrochen, ob der Busverkehr im Landkreis künftig kostenlos sein soll.
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Ein Bus der RBB fährt am ZOB in Uelzen ein. Es ist eine Diskussion losgebrochen, ob der Busverkehr im Landkreis künftig kostenlos sein soll.

Uelzen/Landkreis – In Zeiten des Klimawandels ist für viele der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) eine attraktive Alternative, um das Auto stehen zu lassen.

So ist in der Uelzener Kreispolitik eine Diskussion losgebrochen, ob der Busverkehr im Landkreis kostenlos angeboten werden sollte. Ein entsprechender Antrag von SPD, Grünen, FDP und UWG wurde jetzt im Wirtschaftsförderungsausschuss erörtert.

Andreas Dobslaw, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, gab zu Beginn bekannt, den Antrag vorerst zurückziehen zu wollen. „Das ist zurzeit nicht darstellbar“, meint Dobslaw mit Blick auf die kalkulierten Mehrkosten von rund 2,1 Millionen Euro. Weitere Anträge auf kostenlosen Busverkehr für Schüler der Sekundarstufe II sowie für Senioren, die ihren Führerschein abgegeben haben, seien aber geplant.

Denn gerade für die Oberstufen-Schüler seien kostenlose Busfahrten wichtig. Bildungswillige, die zum Beispiel nach ihrem Realschulabschluss die weiterführende Sekundarstufe II besuchen wollen, dürfen laut Dobslaw nicht belastet werden.

Auch Rainer Fabel (FDP) hält einen kostenlosen Busverkehr für alle zwar für sinnvoll, derzeit aber nicht für realisierbar. Er könne sich jedoch damit anfreunden, nach Dobslaws Vorschlag zunächst mit der Sekundarstufe II anzufangen. Dabei dürften aber auch nicht junge Leute vergessen werden, die sich in einer dualen Ausbildung befinden.

Skeptisch zeigte sich Fabel in Bezug auf die durch den Einsatz von mehr Bussen steigenden Kosten: „Wir haben Zweifel, dass die Zahl der Busse so weit steigen wird.“ Sachbearbeiter Kai Karl hatte zuvor erklärt, dass die Zahl der benötigten Busse – nach vorsichtigen Berechnungen – allein durch die Schülerbeförderung von 71 auf 112 Busse steigen werde.

Während Udo Hinrichs (CDU) einen kostenlosen ÖPNV für wünschenswert, aber utopisch hielt, war sein Fraktionskollege Hans-Heinrich Weichsel verwundert, warum das Modell überhaupt erstrebenswert ist. Die Mehrkosten würden zu einer höheren Kreisumlage führen, was wiederum auf Kosten der Kommunen ginge. Daher brauche es Unterstützung vom Land.

Ob diese aber jemals kommt, stellt Fabel infrage. Schon zu Beginn der neuen Legislaturperiode 2017 sei eine Freistellung des ÖPNV in Aussicht gestellt worden, seitdem habe sich jedoch nichts getan. „Das Verkehrssystem wird sich ändern, und wir müssen da mal weiterkommen“, betont Fabel. Auch die von Weichsel kritisierte Anhebung der Kreisumlage um zwei Punkte wäre für Fabel in einem moderaten Rahmen.

Landrat Heiko Blume hielt abschließend fest, dass ein kostenloser ÖPNV im Landkreis allein noch niemandem weiterhelfen könne. Es brauche auch bessere Verbindungen, um den Landkreis flächendeckend mit Buslinien zu versorgen. VON DANIEL BIELING

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