Soldaten sehen den Plänen zur Familienfreundlichkeit aus Berlin interessiert entgegen

Bundeswehr „im Trend der Zeit“

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Um für die Betreuung zu sorgen, können Kinder im Notfall auch in die Kaserne mitgenommen werden.

Wriedel/Munster/Landkreis. Die Pläne der Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen stoßen im Landkreis Uelzen und im benachbarten Bundeswehrstandort Munster auf ein positives Echo.

Von der Leyen will eine bessere Familienverträglichkeit des Bundeswehrdienstes, das will sie etwa erreichen durch Teilzeitregelungen, Kinderbetreuung und weniger Versetzungen.

In dem Bundeswehr-Ausbildungszentrum Munster arbeiten über 5000 Soldaten. Ein Gutteil von ihnen lebt im Landkreis Uelzen, allein in der Gemeinde Wriedel schätzt der stellvertretende Bürgermeister Werner Harneit, dass etwa 15 Prozent der Wriedeler Arbeitnehmer direkt bei der Bundeswehr angestellt sind. Die Gemeinde hat außerdem eine Patenschaft für die 3. Kompanie des Logistikbataillons 141, die in Munster stationiert ist.

Oberstleutnant Georg Küpper.

Dort, in Munster, schaut man mit Argusaugen auf die Pläne der Ministerin. Das sagt der Presseoffizier des Ausbildungszentrums Munster, Oberstleutnant Georg Küpper. Aber zumindest ein Punkt der Pläne von der Leyens, weniger Versetzungen, spiele in Munster eine untergeordnete Rolle. „In Munster haben wir so viele Einrichtungen, dass jemand auch vier oder fünf Versetzungen haben kann, die aber alle innerhalb des Standortes geschehen“, sagt er. Munster sei der größte Heeresstandort – mit entsprechend vielen Truppenteilen. Und selbst wenn es an einen anderen Standort gehe: Rotenburg an der Wümme, Minden oder Faßberg lägen relativ nahe.

Die Pläne der Ministerin würden unter den Soldaten und Offizieren des Standortes durchaus rege diskutiert und verfolgt. „Wir sind sehr gespannt. Die Frage ist, wie die Pläne mit Leben gefüllt werden können“, so Küpper. Denn wenn neue Impulse und Einrichtungen in die Standorte gegeben werden sollen, gebe es die Frage, wo man dafür die Mittel hernehme.

In dem Punkt Kinderbetreuung seien die Überlegungen der Ministerin nicht allzu neu. Küpper hat in Kasernen gedient, wie Cuxhaven, in denen ein Kindergarten in dem Standort selbst eingerichtet war. Die Betreuung der Soldaten in Munster sei derweil durch ein gutes Angebot in der Stadt Munster gesichert.

Konkret sieht Küpper deshalb keinen Handlungsbedarf, was die Betreuung angeht. Und selbst wenn: Beim Standort Munster gibt es auch Eltern-Kind-Zimmer, in denen Soldaten arbeiten können und im Notfall auch ihre Kinder mitnehmen können. „Entgegen unseres Rufs sind wir ein ziemlich sozialer Laden“, sagt Küpper etwas augenzwinkernd.

Was Küpper nicht will: Zustände wie in Amerika, in denen Soldaten mitsamt Betreuung, Lebensmittelläden und Familie in einem Standort wohnen. Denn die Bundeswehr soll – gerade nach Aufhebung der Wehrpflicht – in der Gesellschaft verankert bleiben und sich nicht abschotten.

Werner Harneit, stellvertretender Bürgermeister von Wriedel, lobt die Bestrebungen von der Leyens. Der Ansatz, Soldaten seltener zu versetzen, sei besonders deshalb wichtig, weil seit mehreren Jahren auch Frauen in größerem Umfang bei der Bundeswehr eingestellt sind – und sich künftige Ehepaare oft auf der Arbeit treffen, es somit auch viele Soldaten-Paare gebe. Harneit selbst war Stabsoffizier in Munster und blieb während der ganzen Dienstzeit an dem Standort.

Die Pläne von der Leyens sieht er als einen guten Ansatz, der überfällig gewesen sei. „Die Bundeswehr muss auch arbeitspolitisch im Trend der Zeit bleiben“, sagt er. Denn man wolle auch gutes Personal. „Dafür muss man dann auch ein bestimmtes Angebot leisten.“

Von Kai Hasse

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