Kommentar von AZ-Redakteur Norman Reuter zur Lage an der B4

Bundesstraße an der Belastungsgrenze

Die Bundesstraße 4 bei Uelzen.
+
Die Bundesstraße 4 bei Uelzen.

Es sind menschliche Tragödien. In diesen Wochen haben Männer und Frauen auf Straßen im Landkreis Uelzen ihr Leben verloren bei einer beispiellosen Serie an Verkehrsunfällen. Unfallopfer wurden schwer verletzt. Angehörige trauern und pflegen nun.

Familien ist Beileid auszusprechen sowie Kraft zu wünschen.

Eine traurige Bilanz ist für die B4 zu ziehen. Dort sind bei Kollisionen in diesem Jahr allein sechs Menschen gestorben. Die Schwere der Unfälle und ihre Häufigkeit alarmieren die Behörden – der Verkehrsexperte der Polizei spricht bezüglich der Unfallursachen von einer Bundesstraße, die sich an der Grenze der Belastbarkeit befinde.

Über Jahre galt für die Trasse ein Durchfahrtverbot für Lkw, damit sich Laster wegen der Maut auf Autobahnen nicht die B4 als Ausweichroute wählen. Mit der Einführung der Maut auf Bundesstraßen fiel das Verbot und recht schnell zeichnete sich für die B4 ab: Hier rollt jetzt mehr Verkehr, und das auf einer Straße, auf der es schon während des Durchfahrtverbots teils zu haarsträubenden Überholmanövern gekommen war.

Ein 2+1-Ausbau der B4 ist im Zuge von Sanierungsarbeiten in Teilen erfolgt – damit ein Überholen auf Abschnitten ohne die Fahrt in den Gegenverkehr möglich ist. Im Frühjahr bestätigte die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, dass ein Ausbau auch im Bereich Bienenbüttel – dort hat es zuletzt schwere Unfälle gegeben – ausgelotet wird. Sicherlich muss technisch geklärt werden, ob der Ausbau möglich ist; aber es besteht angesichts der Entwicklung nicht nur ein Überholdruck auf der Straße, sondern auch ein Handlungsdruck für die Behörden. Hier darf nichts auf die lange Bank geschoben werden.

Statistisch betrachtet, kommt es auf Autobahnen seltener zu tödlichen Unfällen. Ungeachtet der Frage, wie man nun zu einem Bau der A39 steht – aus dem Sicherheitsgedanken heraus sind hier die Genehmigungsverfahren voranzutreiben.

Bleibt noch der Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung, in dem die Verkehrsteilnehmer aufgerufen werden, „ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ walten zu lassen. Und wenngleich sich jemand sicher fühlt in seiner Fahrweise, muss er doch mit den Fehlern anderer rechnen. Also dann nicht versuchen, bei dichtem Verkehr auszuscheren, um letztlich vielleicht vier, fünf Minuten bei der Fahrt gut zu machen. Die Sekunden des Überholens können womöglich das ganze Leben verändern – oder beenden.

VON NORMAN REUTER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare