Berlin, Bremen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen: Zweiter bundesweiter Schlag gegen die Schleusungskriminalität binnen zwei Wochen

Bundespolizei zerschlägt Bande von "LKW-Schleusern"

+
Beamte der der Bundespolizei verhafteten einen der Lkw-Schleuser in Bad Muskau.  

jsf Uelzen. Die Uelzener Bundespolizei vom Hainberg war mit 55 Beamten am groß angelegten Einsatz beteiligt und durchsuchte heute morgen zwei Wohnungen in Bremen. Dabei wurden Smartphones, Bargeld und gefälschte Fahrkarten beschlagnahmt, wie Sprecher Friedrich-Wilhelm Schulz mitteilt. Die beiden Bewohner, zwei Türken, wurden verhört, jedoch nicht verhaftet.

Beamte der Uelzener Bundespolizei beim Zugriff in Bremen. 

Mit über 200 Beamten ging die Bundespolizei heute in vier Bundesländern in den frühen Morgenstunden gegen die Organisatoren von gefährlichen LKW-Schleusungen (sogennate Behältnisschleusungen) vor. Beim Einsatz in Bremen waren auch Beamte der Bundespolizei Uelzen vor Ort. 

In Berlin wird ein Verdächtiger von den Beamten der Bundespolizei abgeführt. 

Die Zugriffsmaßnahmen unterstützten unter anderem Spezialkräfte der Bundespolizei. Dabei vollstreckten die Ermittler im Auftrag der Staatsanwaltschaft Görlitz drei Haftbefehle in Deutschland. Neben den Verhaftungen durchsuchten die Bundespolizisten sieben Wohnungen bzw. Geschäftsräume in Bremen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Auch umfangreiches Beweismaterial stellten sie bei diesem zielgerichteten Schlag sicher.

Die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle führte gemeinsam mit der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf seit August 2017 ein Ermittlungsverfahren wegen gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern. Im Zuge dessen gelang es, ein Schleusernetzwerk zu ermitteln. Den drei am heutigen Tag festgenommenen Beschuldigten türkischer (44), polnischer (37) und bulgarischer (53) Nationalität wird vorgeworfen, gemeinsam mit weiteren Tatverdächtigen, in mehreren Tathandlungen im Sommer und Herbst 2017 Migranten zumeist unter Nutzung von Lastwagen in das Bundesgebiet eingeschleust zu haben.

Die Schleuser versteckten unter bewusster Inkaufnahme von Gefahren für deren Leib und Leben die unerlaubt einreisenden Migranten auf den Ladeflächen und teilweise hinter Waren und Paletten. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen ist davon auszugehen, dass auf diesem Wege mindestens 160 Migranten nach Deutschland eingeschleust wurden. 

Die Täter schleusten zumeist über die Balkanroute und sodann über die Republik Polen sowie die Tschechische Republik nach Mitteldeutschland. Sie verlangten für ihre Dienste in der Regel 8.000 Euro je Migranten. Im Falle einer Verurteilung drohen den Beschuldigten pro Tat Freiheitsstrafen von einem Jahr bis zu zehn Jahren. Eine Schleusung nach Deutschland konnte im November 2017 durch internationalen Erkenntnisaustausch mit den slowakischen Polizeibehörden vereitelt werden. In diesem Fall endete die hoch brisante Fahrt mit zwei Lastwagen für die zwei Fahrzeugschleuser und 79 Geschleuste bereits auf dem Gebiet der Slowakischen Republik. Die beiden türkischen Fahrer befinden sich derzeit in der Slowakischen Republik in Untersuchungshaft.

Bei den Geschleusten handelte es sich um Personen iranischer oder irakischer Nationalität. Unter ihnen befanden sich auch 32 Kinder unter 7 Jahren sowie zwei Säuglinge im Alter von 3 und 4 Monaten. Eine Weiterfahrt hätte vermutlich fatale Auswirkungen auf Leib und Leben der Männer, Frauen und Kinder in den LKW gehabt. Einschleusungen unter Zuhilfenahme von Lastkraftwagen (sogenannte Behältnisschleusungen) stellen für die Geschleusten eine erhebliche Gefährdung dar. Unvergessen bleiben in diesem Zusammenhang die schlimmen Bilder aus dem August 2015, als ein Kühllastwagen mit 71 Leichen auf der österreichischen Autobahn A4 nahe der Ortschaft Parndorf aufgefunden wurde. Der Präsident der Bundespolizeidirektion Pirna, Jörg Baumbach, sagte zum erfolgreichen Einsatz: "Am 17. Januar 2018 haben wir erfolgreich ein polnisch-syrisches Schleusernetzwerk ermittelt. Heute gelang uns nur zwei Wochen später der zweite Schlag gegen die Schleusungskriminalität.

Die Ermittlungen in diesem Verfahren zeigen einmal mehr, dass es den skrupellosen Schleusern nur um Profit geht. Das Wohlergehen der Personen, die sich ihnen für viel Geld anvertrauen, ist ihnen egal. Gefahren für Leib und Leben, Verletzungen und Tod haben auch diese Täter billigend in Kauf genommen."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare