Otto Lukat erläuterte die Besonderheiten des Wirtschaftsstandortes Uelzen bei einem Busausflug

Mit dem Bürgermeister auf Tour

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Da gab es selbst für Alteingesessene noch etwas zu staunen: Das Stadtoberhaupt hatte bei einer Rundreise durch Uelzens Gewerbe- und Industriegebiete viel zu erzählen.

Uelzen. „Im Grunde kennen Sie das alles, aber vielleicht ist bei den Erläuterungen etwas Interessantes dabei. “ Otto Lukat hat seinen Platz im Bus eingenommen, vorne beim Fahrer, ein Mikrofon in der Hand.

Er wird die etwa 50 Insassen auf der bevorstehenden Tour durch Uelzens Gewerbe- und Industriegebiete mit Hintergrundinformationen versorgen: Welche Geschichte haben die Standorte beispielsweise hinter sich oder welche neuen Entwicklungen zeichnen sich ab?.

Lukats Zuhörer sind einer Einladung des Seniorenbeirats zu dieser Sonderveranstaltung gefolgt. Als sich der Bus vom Rathaus aus in Bewegung setzt, beginnt der Bürgermeister mit ein paar nackten Zahlen: „12 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gibt es in der Stadt, nimmt man Selbstständige und Beamte hinzu, kommt man auf insgesamt 18 000.“ Es geht vorbei am ehemaligen Katasteramt und das Stadtoberhaupt bringt nicht nur seine Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand zum Ausdruck, sondern blickt vor allem optimistisch in die Zukunft. Denn wenn der neue Gewerbe-Komplex schräg gegenüber entsteht, würde auch dieser Standort für Investoren äußerst attraktiv.

Beim Einbiegen in die Bahnhofstraße wird das jetzige Post-Gebäude thematisiert. „Früher war hier mit dem Fernmeldeamt der größte Arbeitgeber ansässig“, erklärt Lukat, „davor war es der Standort des städtischen Gaswerks.“ Wenn die Rede von Betrieben ist, die einst in der Uhlenköperstadt ansässig waren, nicken viele von den Bus-Insassen wissend mit dem Kopf: So manch einer erinnert sich noch gut an die „alte Zeit“.

Weiter geht es durch das Sternviertel, „übrigens bis nach dem Zweiten Weltkrieg auch ein Industriegebiet“, wie die Stimme aus dem Lautsprecher vermeldet. Ein paar Worte zur ehemaligen Landmaschinenfabrik der Firma Jabelmann, bevor der Bus in die Nothmannstraße biegt. Beim Turm des Wasserwerks erfahren die Passagiere, dass es vielleicht bald ein Mineralwasser aus Uelzen geben wird: „Es wurde bereits mit einer Firma verhandelt, aber die existiert hier inzwischen nicht mehr“, berichtet Lukat. Nun gebe es diesbezüglich neue Bemühungen.

Vorbei an der ehemaligen Produktionsstätte des Brandt-Zwiebacks führt der Weg in das Industrie-Gebiet am Fischerhof. Der größte Betrieb hier ist jedoch kein gewerblicher, sondern ein gemeinnütziger: das Haus der Lebenshilfe. Über die Bundesstraße 4 geht es weiter. Es folgen Hintergründe zu den Gewerbe-Gebieten Breidenbeck und Im Neuen Felde, dann gelangt der Bus zum Hafen. Hier finden sich die Produktionsstätten einiger „Global-Player“, wie beispielsweise Zulieferer für die Herstellung von Holzpaletten. „Der Bedarf ist riesig“, betont Lukat die Bedeutung dieses Geschäfts, „denn egal auf welchen Wegen: Güter werden weltweit auf Paletten transportiert.“ Und wo er gerade beim Thema Handelsrouten ist: „Der Elbe-Seiten-Kanal wird noch weiter an Bedeutung gewinnen“, ist sich der Bürgermeister sicher, „und Uelzen ist mit bereits jetzt 300 000 Tonnen Umschlag pro Jahr dessen wichtigster Hafen.“

Am Standort der ehemaligen Uelzener Bierbrauerei richtet sich Lukats Blick wieder zurück in die Vergangenheit. „Sei heimattreu, trink Uhlenbräu“, ist ihm der Slogan des lokalen Gerstensaftes noch präsent. Inzwischen beheimatet das Gelände ein Recyclingunternehmen. Die Produktionsstätte von Schöller sieht Lukat hingegen für die Zukunft gewappnet: „Das hiesige Eiskremwerk ist inzwischen das einzige in ganz Deutschland.“ Während andere Standorte schließen mussten, wurde der Bereich Forschung und Entwicklung sogar eigens hierher verlegt. Neben den 250 verschiedenen Eisprodukten stellt die Firma seit 1981 auch bestimmte Backwaren her. Auch hierzu weiß das Stadtoberhaupt eine besondere Geschichte zu erzählen: „Die Brezeln auf dem Münchener Oktoberfest stammen zum größten Teil aus Uelzen.“

Natürlich darf bei einer solchen Rundfahrt ein Abstecher zur Zuckerfabrik nicht fehlen. Diese hat übrigens laut dem Tour-Führer die Möglichkeit, sehr flexibel auf Schwankungen bei den Rohstoff-Preisen zu reagieren: Der Betrieb kann sowohl mit Gas, als auch mit Kohle oder Öl erfolgen. Insgesamt, so erklärt Lukat, sei der Wirtschaftstandort Uelzen sehr breit aufgestellt, was sich daran zeige, dass der größte Arbeitgeber das Klinikum sei. Das mache einen auch unabhängiger von Krisen in bestimmten Branchen.

„Es ist schon enorm, wie sich Uelzen vom 12 000-Einwohner-Städtchen bis heute entwickelt hat“, fasst eine Teilnehmerin gegenüber dem Mann am Mikrofon die gewonnenen Eindrücke zusammen, als der rote Bus nach rund anderthalb Stunden zurück zum Rathaus rollt.

Von Karsten Tenbrink

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