Veerßer fordern Klarheit zu Grundschulzukunft und Gesprächen über einen möglichen Verkauf

Veerßer Grundschule: Ein Bürgermeister im Kreuzverhör

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Uelzen-Veerßen. Er wollte den Veerßer Bürgern die Angst um ihren Grundschulstandort nehmen –, doch was folgte, war eine lange Reihe an Misstrauensbekundungen und eine Grundsatzdiskussion im Schulfoyer:

Nachdem bekannt geworden war, dass Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt mit der Stiftung „Leben leben“ Gespräche zu einer möglichen Einrichtung einer Schule unter freier Trägerschaft in dem Veerßer Schulgebäude geführt hatte, forderten Eltern und örtliche Politiker nun Fakten zu dem Dialog.

Passend dazu: Verkaufsgespräche zur Veerßer Schule: Bald Klarheit?

Dienstagabend, 18 Uhr – ein Ortsrat wird zum Schauplatz eines Kreuzverhörs: Was mit ihrer Schule passiere, wollen die Eltern wissen, was das für Verhandlungen seien, die die Verwaltung mit „Leben leben“ geführt habe und – der Verdacht drängt sich Ortsratsmitglied Hinrich Heuer auf –, ob man die Veerßer Politik „für dumm verkaufen“ wolle. Denn der Ortsrat war nicht über die Gespräche informiert worden.

Markwardt stellt klar: Verhandlungen habe es nie gegeben. „Was es gibt, ist ein Informationsgespräch, das die Stiftung ‘Leben leben’ – und zwar dreimal – bei der Stadt Uelzen geführt hat“ – aus eigenem Antrieb heraus, weil Interesse an möglicherweise freiwerdendem Schulraum bestanden habe. Das wurde in mehreren Gremien und schließlich auch in einer Runde mit Eltern- und Schulvertretern mitgeteilt. Und da, ist sich der Rathauschef sicher, müsse es ein Problem zwischen „Sender und Empfänger“ gegeben haben. Die Sicht des Senders (Markwardt): Er habe nach dem Ratsbeschluss, nach dem sechs der insgesamt acht Grundschulen im Stadtgebiet zu Ganztagsgrundschulen umgewandelt werden, nicht aber Molzen und Veerßen, große Unruhe in Veerßen wahrgenommen. Denn fest steht auch: Wenn in zwei aufeinander folgenden Jahren weniger als 13 Kinder eingeschult werden und die Eltern sich gegen einen klassenübergreifenden Unterricht aussprechen, droht die Schließung. Mit der Nachricht, dass man den Schulstandort Veerßen eventuell auch unter anderer Trägerschaft erhalten könne, sollten die Kennzahlen unterschritten werden, habe er in erster Linie Sorgen nehmen wollen.

Der Einwand der Empfänger (Elternvertreter): „Das kam leider anders an.“

Man habe sich unter Druck gesetzt gefühlt, erklärt ein Mitglied des Elternrats, und auf eine Rückmeldung gewartet, wie die Politik im Verwaltungsausschuss auf die Idee reagiert habe. „Da war bei uns ein riesengroßes Fragezeichen“. Denn die Schule hatte sich dagegen entschieden, eine freie Trägerschaft als Alternative zu betrachten. Damit sei das Thema auch erledigt gewesen, sagt Markwardt.

Die Angst um die Existenz der Grundschule besteht weiterhin – auch, wenn aktuelle Zahlen zunächst nicht auf eine Schließung hindeuteten. Am Dienstag entlädt sie sich in einer Kampfansage: „Lasst doch die Schulen in Konkurrenz gehen. Dann wollen wir mal sehen, welche Schule gut oder schlecht ist“, fordert Heuer – und erntet tosenden Applaus. Der Antrag, den Schulbezirk Veerßen auf das gesamte Stadtgebiet zu erweitern, gibt es bereits. Dieser müsse nun in weiteren Gremien behandelt werden, erklärt Markwardt.

Es ist fast 20 Uhr, als eine junge Frau das Wort ergreift. „Mein Sohn kommt in diesem Jahr in die Schule“, sagt sie. „Darf er hier länger bleiben?“ Eine klare Antwort bekommt sie nicht, die Enttäuschung ist ihr anzusehen. „Ich gehe jetzt nach Hause und bin genauso schlau wie früher.“

Von Anna Petersen

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