Sex in the City

Bürger wehren sich gegen Prostitution in Lüchows Innenstadt

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Der Protest der Lüchower war offensichtlich erfolgreich: Das Bordell ist scheinbar aus der Kirchstraße ausgezogen.

bp Lüchow. Was sich hinter Lüchows Fachwerkfassaden abspielt, wissen vor allem die, die hinter ihnen wohnen und arbeiten.

Was hinter der Fachwerkfassade eines Hauses an der Kirchstraße vor sich geht, wissen Freier und können sich alle anderen mit etwas Fantasie unschwer vorstellen. Zu sehen ist es nicht, denn die Fenster sind mit roter Folie beklebt.

Seit einigen Wochen bieten hinter den folierten Fenstern Frauen ihre Dienste als Prostituierte an. Einige Anwohner und Inhaber von Lüchower Geschäften reiben sich verwundert die Augen, dass jetzt nicht nur Eis, sondern auch Frauen an der Kirchstraße konsumierbar sind. Ein Mann hat das Haus gemietet und vermietet drei Zimmer in den oberen Etagen an die bis zu drei offenbar wechselnden Frauen unterschiedlichen Alters weiter.

„Wir hätten nie damit gerechnet, dass so etwas möglich ist“, zeigt sich Mohamed Ouchtati, Mitinhaber des angrenzenden Hotels Am Glockenturm, erstaunt. Leicht bekleidete Frauen stünden nun oft gleich neben der Eingangstür des Hotels. „Das ist der Hammer“, ärgert sich der Hotelier, der um den Ruf seines Hauses fürchtet.

Claas Spitz hat eines seiner Bekleidungsgeschäfte an der Langen Straße in Sichtweite des Hauses. „So etwas in einem Wohn- und Geschäftsgebiet ist nicht nett“, sagt der Einzelhändler. Er fragt sich: Gibt es demnächst vielleicht mehrere horizontale Zimmervermietungen mitten in der Lüchower Innenstadt? Treiben Rocker demnächst Schutzgeld in der Kreisstadt ein? Beide Möglichkeiten findet Spitz problematisch.

Mehrere Anwohner und Gewerbetreibende haben ihren Unmut in einem Brief an die Kreis- und die Samtgemeindeverwaltung aufgeschrieben. Ein „Bordell (...) in Geh- und Sichtweite“ zahlreicher Geschäfte sei ein gravierendes Problem. Einige fürchten um den Wert ihrer Immobilien.

Doch die Samtgemeinde sieht offenbar keinen großen Spielraum, das Treiben an der Kirchstraße zu beenden. Es hat offenbar ein Gespräch zwischen Vertretern der Samtgemeinde- und der Kreisverwaltung stattgefunden. Eines der Ergebnisse ist laut Lüchows Erstem Samtgemeinderat Thomas Raubuch: „Prostitution ist nach neuester Rechtsprechung eine höchstpersönliche Dienstleistung, die weder sittenwidrig noch verbietbar ist.“ Mitarbeiter der Kreisverwaltung und des Hauptzollamtes Hannover hätten die Räumlichkeiten in der Kirchstraße im Juli kontrolliert. Die Begehung habe „keine Informationen hervorgebracht, die ein weiteres behördliches Vorgehen legitimiert hätten“.

Aus Sicht der Verwaltung gibt es „in der Kirchstraße kein Bordell“, sondern lediglich eine Zimmervermietung. Auch deshalb kann die Samtgemeinde laut Raubuch „gewerberechtlich gegen die derzeitige Nutzung nicht tätig werden“. Der Landkreis behalte sich allerdings baurechtliche Prüfungen vor.

Am Wochenende hat sich das Problem von allein gelöst. Anwohner berichten, dass zwei Lieferwagen angerückt seien und Männer das Haus ausgeräumt und die roten Folien von den Fenstern entfernt hätten. Das Etablissement, es war einmal.

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