„Die Sprotte ist mein viertes Baby“

Brustkrebspatientin Angeline Hamborg aus Oldenstadt hilft anderen betroffenen Frauen

Angeline Hamborg treibt viel Sport, sie fährt gerne mit dem Rad. Seit August 2019 lebt sie mit ihrer Familie in Oldenstadt.
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Angeline Hamborg treibt viel Sport, sie fährt gerne mit dem Rad. Seit August 2019 lebt sie mit ihrer Familie in Oldenstadt.

Angeline Hamborg war vor vier Jahren an Brustkrebs erkrankt. Ein Jahr später gründete sie mit zwei anderen betroffenen Frauen die Selbsthilfegruppe „Kieler Brustkrebs-Sprotten“. Auch nach ihrem Umzug nach Oldenstadt engagiert sich die 37-Jährige weiter.

Uelzen-Oldenstadt – Während ihrer dritten Schwangerschaft im September 2015 der Schock: Diagnose Brustkrebs. Auch ein Lymphknoten war betroffen. Angeline Hamborg hatte kaum Zeit zum Nachdenken, denn schon eine Woche nach der Diagnose begann die erste Chemo-Therapie. Nach der Chemo wurde ihre linke Brust entfernt. Heute, mehr als vier Jahre später, ist alles gut gegangen: Hamborg hat die zehn Monate dauernden Chemo-Therapien gut überstanden. Die Haare sind wieder nachgewachsen und ihre Tochter Merle wurde Ende Oktober vier Jahre alt.

„Ich bin glücklich, war es aber auch während meiner Erkrankung. Schließlich war ich krank, und nicht meine Kinder“, sagt die 37-Jährige, die verheiratet ist, heute drei Kinder hat und seit August 2019 in Oldenstadt lebt. Zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung hatte Hamborg in Kiel gelebt und war dort auch im Krankenhaus behandelt worden. Sie kam mit zwei Frauen ins Gespräch, die ebenfalls an Brustkrebs erkrankt waren. Die drei gründeten im September 2016 die Selbsthilfegruppe „Kieler Brustkrebs-Sprotten“, die sich aktuell alle vier Wochen treffen. „Wir stehen geschlossen da und sind gemeinsam stark“, sagt Hamborg. „Wir haben bereits mehr als 150 an Brustkrebs erkrankte Frauen begleitet.“

Die Kieler Brustkrebs-Sprotten haben einen Stand beim Kieler Weihnachtsmarkt, organisieren den Benefiz-Sprotten-Markt im Herrenhaus Borghorst mit Kunsthandwerkausstellung sowie Tombola und offerieren Sportangebote. Die gebürtige Bayerin Hamborg sagt: „Mir hat es immer sehr geholfen, über die Erkrankung zu sprechen und Sport zu treiben.“ Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement möchte sie den Brustkrebs raus aus der Tabuzone holen. Schließlich lägen die Heilungschancen bei früh erkanntem Brustkrebs bei 80 Prozent. Sehr dankbar sei sie auch für immer mehr Promis, die das Thema in die Öffentlichkeit bringen. So auch der TV-Star Sylvie Meis, der sich als Botschafterin der Organisation „Pink Ribbon Deutschland“ engagiert.

„Brustkrebs kann schnell zur Hartz-4-Falle werden“, erklärt Hamborg, die ihre Erfahrungen gerne an weitere Betroffene weitergebe. Rund 70 000 Frauen erkranken jährlich neu an Brustkrebs. Mit großem Interesse habe sie den kürzlichen AZ-Artikel über die neue Selbsthilfegruppe für an Krebs erkrankten Frauen in Rosche, gegründet von Kristine Nolte, Tanja Bunge-Widdecke und Dorle Schulz, gelesen.

Angeline Hamborg selbst arbeitet seit Kurzem bei der gwk in Uelzen, Abteilung Rechnungswesen. Alle drei Monate muss sie zur Vorsorgeuntersuchung. „Ich habe die Ernährung umgestellt, wir verzichten auf Fastfood und verwenden möglichst wenig Zucker“, sagt die Oldenstädterin. Über das Engagement des Kieler Trios haben bereits mehrere TV-Teams berichtet. Zuletzt zeigte der NDR die 30-minütige TV-Reportage „Frauen in Pink – Power gegen Brustkrebs“ mit der bekannten Moderatorin Judith Rakers. Die Reportage ist auch nach wie vor in der Mediathek des Senders abrufbar. Gestern Abend war Hamborg zudem in der NDR Talk Show zu Gast. Und trotz des Wechsels nach Oldenstadt will sich Hamborg weiter bei der Organisation in Kiel engagieren: „Ich bleibe trotz des Umzugs Sprotte, das ist mein viertes Baby.“

Wer mehr über die Kieler Brustkrebs-Sprotten erfahren möchte, wird unter brustkrebssprotten.de fündig.

VON TIMO HÖLSCHER

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