Schwere Laster lassen Bauwerke altern / Hilfe durch Verkehrsbeschränkung

Brummis auf grazilen Brücken

K 3 Richtung Molzen, Brücke über die Ilmenau: Hier dürfen Schwertransporte nur noch mit einem Mindestabstand über die Brücke fahren. So soll eine zu starke Belastung der Brücke verhindert werden. Foto: Ph. Schulze

Uelzen/Landkreis. Die Brücken im Landkreis ächzen unter der Last von Schwertransporten. Das ist in den vergangenen Jahrzehnten nicht weniger geworden.

Viele Brücken, für die der Landkreis zuständig ist, wurden in den 60er oder 70er-Jahren gebaut, erklärt Baudezernent Frank Peters. Sie waren zum Großteil für eine Belastung bis zu 24 Tonnen ausgelegt.

Seitdem haben die Schwerlasttransporte erheblich an Gewicht zugelegt – das zulässige Gesamtgewicht wurde erhöht. „Die Brücken waren dann allerdings schon da“, sagt Frank Peters. So werden Brücken mit Fahrzeugen befahren, die zum Teil 20 Tonnen schwerer sind als die 24 Tonnen, für die die Brücken einst gebaut wurden. Planer hätten früher die Dynamik der Wirtschafts- und Verkehrsentwicklung nicht voraussehen können.

Das bedeutet Arbeit für Peters, denn er muss die Belastung der Brücken und ihre Ermüdung durch den täglichen Verkehr im Blick haben. Schon im vergangenen Jahr hat es dazu eine Richtlinie des Bundesverkehrsministeriums gegeben. Sie diene dem Ziel, die Tragfähigkeit von Brücken unter Berücksichtigung des gestiegenen Verkehrsaufkommens und modernerer Bautechnik zu beurteilen.

„Vor dem Hintergrund des ständig anwachsenden Güterverkehrs – insbesondere aber auch aufgrund steigender Fahrzeuggesamtgewichte – und der bestehenden Altersstruktur der Straßenbrücken sind wir gehalten, die Brücken auf die Vereinbarkeit der inzwischen bestehenden Beanspruchung einerseits und ihrer Tragfähigkeit andererseits zu überprüfen“, so Peters.

Konkret betrifft das beispielsweise die Kreisstraße 8 in Klein Süstedt, eine jüngste Maßnahme des Landkreises: Laster ab einem Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen dürfen die Brücke am Bahnhof nur noch wechselseitig befahren. An der K 9 wurde die Brücke am Suderburger Bahnhof für Sattelzugauflieger mit einem Gesamtgewicht von mehr als 30 Tonnen komplett gesperrt, um Beschädigungen des Bauwerks auszuschließen.

„Schauen Sie sich mal die Traktoren von heute an, welche Ausmaße die haben“, sagt Peters. Ein weiterer Punkt wäre die Freigabe von sogenannten Giga-Linern, die bedeutend mehr auf die Waage bringen. „Wir sind mit unseren relativ kleinen Heidegewässern noch gut dran“, sagt der Baudezernent mit Blick auf Regionen Niedersachsens, die mehr Wasserwege und demnach mehr Brücken hätten.

„Wir hatten das Thema in den vergangenen Jahren etwas vernachlässigt“, gesteht Peters ein, „aber so, dass wir es verantworten konnten“. Das Thema Brücken habe man generell stets im Blick, erklärte er bei einer Sitzung des Planungs- und Verkehrsausschusses des Kreises. Die starke Last auf den Brücken führe zu einem schnellen Überaltern der Brücken. „Zum Teil kann man dabei zuschauen“, sagte Peters in der Sitzung. Zum Schutz älterer Brücken können weitere verkehrsbeschränkende Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden. Dazu zählen Gewichtsbeschränkungen, das Verbot von Begegnungsverkehr oder ein vorgeschriebener Mindestabstand. „Auf diese Weise kann das zulässige Belastungsniveau für den Schwerverkehr so begrenzt werden, dass die Bauwerke nicht überbeansprucht und Schäden vermieden werden“, so Frank Peters weiter.

Vermutlich, so heißt es vom Kreis, sei künftig häufiger die Frage, ob anstelle kostenintensiver Verstärkungsmaßnahmen nicht ein vorzeitiger Brückenneubau den Vorzug erhalte.

Ob Verkehrsschilder wirken, ist ungewiss. Das macht Andreas Dobslaw deutlich. Er ist einerseits Mitglied im Kreisausschuss für Verkehr und Planung, spricht aber in diesem Fall als Verkehrsexperte der Polizei. Es sei schwierig, sicherzustellen, dass LKW-Fahrer tatsächlich Bestimmungen zum Überfahren von Brücken einhalten. „Wir gehen davon aus, dass LKW-Fahrer vernünftig sind und verantwortlich damit umgehen“, sagt Dobslaw, „aber generell regiert das Prinzip Hoffnung.“

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