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Brücken-Rückbau an Uelzens Bahnhofstraße: Koloss aus Stahl am Kran

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Von: Norman Reuter

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Gut 40 Tonnen an Gewicht hängen am Samstagmorgen am Kran. Einer der Tröge wird demontiert.
Gut 40 Tonnen an Gewicht hängen am Samstagmorgen am Kran. Einer der Tröge wird demontiert. © Reuter, Norman

Die Arbeiten zum Neubau der Brücke über die Bahnhofstraße in Uelzen sind in vollem Gange. Am Wochenende sind auf der Westseite des Bauwerks gut 40 Tonnen schwere Tröge, über die die Gleise 101 und 102 bis zum Hundertwasser-Bahnhof führten, mithilfe eines Krans herausgehoben und abtransportiert worden.

Uelzen – Der stählerne Trog wiegt gut 40 Tonnen. Er hängt am Samstag in der Früh an einem Kran, mit dessen Hilfe das „Schwergewicht“ auf einen Sattelschlepper abgelegt wird.

Am zurückliegenden Wochenende ist der Rückbau der Bahnbrücke über die Bahnhofstraße in Uelzen gestartet. Wie berichtet, wird sie durch einen Neubau in gleicher Größe ersetzt, 2024 soll er fertig sein (Siehe Zum Thema).

Das Herausheben von stählernen Brückentrögen auf der Westseite, auf denen Schotter und Gleise lagen, ist am Samstag ein Schauspiel, das von Zugreisenden und Uelzenern mit Interesse verfolgt wird. Diese Arbeiten werden bereits tags zuvor und auch in der Nacht vorbereitet.

Am Freitag sind Männer dabei zu beobachten, wie sie an den Oberleitungen im Bereich der Brücke arbeiten. In der Nacht zu Samstag werden dann mithilfe einer Flex alte Wasserrohre unterhalb der Brückentröge sowie Schienen und Stahlelemente mithilfe eines Schneidbrenners durchtrennt. Ein Funkenregen geht über die Bahnhofstraße nieder.

Am Samstag, ein Reisetag, werden die Zugreisenden mit Durchsagen am Hundertwasser-Bahnhof darüber informiert, dass es bedingt durch die Arbeiten zu Gleiswechsel kommen könne. Ein Aushang erklärt, dass bis zum 23. August keine Abfahrten von den Gleisen 101 und 102 erfolgen. Diese sind seit den Morgenstunden im Bereich der Bahnbrücke gekappt.

Gegen 9 Uhr wird einer der stählernen Tröge von den Brückenwiderlagern angehoben. Der Koloss hängt an einem Kran mehrere Meter über dem Boden. Ein Sattelschlepper fährt rückwärts, von der Sternstraße kommend, an die Baustelle heran, gut 20 Minuten später wird der Trog auf diesem abgelegt, nachdem das Stahlelement vom Boden aus mithilfe eines Seils und entsprechenden Kommandos der Arbeiter in die richtige Position gebracht worden ist.

Der Trog wird auf einem Sattelschlepper abgelegt. Mit entsprechenden Kommandos und mithilfe eines Seils wird er in die richtige Position gebracht.
Der Trog wird auf einem Sattelschlepper abgelegt. Mit entsprechenden Kommandos und mithilfe eines Seils wird er in die richtige Position gebracht. © Reuter, Norman

Der Sattelschlepper fährt nur wenige Meter. Auf einem Areal an der Albrecht-Thaer-Straße wird der Trog in kleinere Stücke zerlegt und erst dann zerteilt abgefahren.

Ein Schienentrog auf der Ostseite, auf dem das Gleis 103 für den Metronom verläuft, bleibt zunächst noch liegen. Auf der geräumten Westseite entsteht nun ein Unterbau für eine Übergangslösung – die Gleise auf der wichtigen Strecke Hannover-Hamburg können nicht über Monate gekappt bleiben.

Wie der Projektzuständige erklärt, wird im Zeitraum vom 20. bis 23. August eine Behelfsbrücke eingesetzt. Dazu müsse der Unterbau geschaffen werden. In einer Pressemitteilung ist von nötigen Bohrungen die Rede, entsprechendes Gerät ist bereits am Wochenende auf der Baustelle zu entdecken.

Sind die Behelfsbrücken auf West- und Ostseite „installiert“, können die alten Brückenwiderlager zunächst zurückgebaut und dann neu geschaffen werden, bevor neue, dauerhafte Brückenelemente gesetzt werden können.

Der Neubau der Brücke beschäftigt seit inzwischen Monaten immer wieder die Uelzener. Bei der Suche nach möglichen Blindgängern an der Baustelle stand zu Jahresbeginn eine Evakuierung von 100 Straßen im Raum. Diese wurde letztlich nicht notwendig.

Im Zuge der Arbeiten wurde im April ein Kabel beschädigt, sodass keine Bahnsignale gestellt werden konnten. Im Juli war ein Telekomkabel betroffen.

Erst am Freitagabend haben Menschen aus der Stadt und Landkreis Uelzen wegen der Bahn auch an einer Protestaktion teilgenommen, die wegen einer etwaigen Neubautrasse durch den Kreis organisiert worden war.

ZUM THEMA: Arbeiten bis 2025

Es wird nicht beim Neubau der Brücke über die Bahnhofsstraße bleiben. Im Anschluss wird auch die nur wenige Meter entfernte Bahnbrücke über die Sternstraße erneuert. Die bisherigen Brücken konnten aufgrund ihres Alters nach Bahnangaben nicht mehr saniert werden. Laut DB sind sie etwa 1935 errichtet worden. Die Hansestadt Uelzen nennt die Jahre um 1900 als Zeitpunkt des Baus. Wobei die Brücke über die Bahnhofstraße durch Schäden im Zweiten Weltkrieg noch einmal erneuert worden sei. 2025 sollen beide Brücken stehen. Die Brücken sollen in ihren bisherigen Umfängen neu gebaut werden, was Kritik auslöste, weil der Platz unterhalb mit Autospuren sowie Rad- und Fußgängerverkehr beengt ist. Weil sich unter den alten Brücken bei Starkregen Wasser sammelte, wird es künftig nicht nur punktuell, sondern auf ganzer Länge abgeleitet.

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