Ärger um „Initiative Tierwohl“: Landwirte bleiben auf Investitionen sitzen

Es brodelt im Schweinestall

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Kreislandwirt Thorsten Riggert fordert mehr Geld für höhere Standards in der Schweinehaltung.

Uelzen/Landkreis. Es sollte ein großer Schritt zu höheren Standards in der Schweinehaltung werden.

Doch die „Initiative Tierwohl“, ein freiwilliges Bündnis zwischen Lebensmitteleinzelhandel, Fleisch- und Landwirtschaft, sorgt bereits unmittelbar nach dem Startschuss für Missstimmung unter den Bauern. Der Grund: Das bundesweite Interesse der Schweinehalter an dem Programm übersteigt die finanziellen Möglichkeiten.

Es rumort in der Branche. „Nicht einmal die Hälfte kann dabei sein“, ärgert sich Uelzens Kreislandwirt Thorsten Riggert. Denn nach Ende der Anmeldephase steht fest: Insgesamt 4653 Landwirte haben sich registrieren lassen, aber nur 2142 schweinehaltende Betriebe sind zur Auditierung zugelassen. Die Betroffenheit im Kreis Uelzen konnte laut Riggert bislang noch nicht beziffert werden.

Wenn die Bauern ihre Ställe nach ausgewählten Tierwohlkriterien umrüsten, wird der Mehraufwand durch die teilnehmenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels – laut Riggert rund 85 Prozent der Ketten – finanziert. Diese führen für die seit Januar 2015 verkaufte Ware vier Cent pro Kilogramm Schweine- und Geflügelfleisch sowie Wurst ab. So sollen dieses Jahr 85 Millionen Euro zusammenkommen, in den ersten drei Jahren insgesamt 255 Millionen. Diese Mittel müssen aber auch für die Geflügelhalter reichen, deren Bewerbungsphase im Sommer startet.

Aus diesem Topf gibt es pauschal 500 Euro pro Schweinehalter und Jahr für umgesetzte Grundanforderungen, wie etwa die Teilnahme am Antibiotika-Monitoring oder ein festgelegtes Maß an Tageslichteinfall im Stall.

Setzen Schweinehalter ergänzende Wahlpflichtkriterien um, fließen weitere Zuschüsse.

„Viele Dinge sind schwierig umsetzbar. Da sind schnell 10 000 Euro investiert“, weiß Riggert. Das Problem: Viele Tierhalter seien in Vorleistung gegangen, um zum Beispiel mehr Platz im Stall zu gewährleisten. Denn bei der Anmeldung mussten sie ein Umsetzungsdatum nennen. „Es war von vornherein klar, dass man, wenn da nicht der 2. Mai steht, sowieso nicht dabei ist“, kritisiert Riggert.

Dass nun so viele Tierhalter auf der Warteliste stünden, sei enttäuschend. Für den Kreislandwirt bleibt nur eine logische Konsequenz: Der Tierwohlbeitrag des Handels müsse um weitere vier Cent erhöht werden. „Für null Komma null geht es nicht“, stellt Riggert klar und schlägt damit in dieselbe Kerbe wie Landvolk-Vizepräsident Albert Schulte to Brinke. „Diese Forderung muss vom Berufsstand deutlich kommen.“

Von Anna Petersen

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