Braune Erben

Ein Dannenberger Geschäftsmann vermacht sein Vermögen der NPD

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Diese beiden Häuser vermachte ein Dannenberger Geschäftsmann der rechtsextremistischen NPD. Warum? Das fragen sich in Dannenberg viele Menschen – nicht nur die eigentlichen Erben aus der Verwandtschaft des Verstorbenen. Foto: Groß

Dannenberg. Erst war es nur ein Gerücht. Ein Dannenberger Geschäftsmann, vor einiger Zeit verstorben, soll sein gesamtes Vermögen einer Partei vererbt haben, hieß es. Einer rechts-extremistischen: der NPD. Mittlerweile steht fest, dass diese Gerüchte wahr sind.

Mehr noch: Die Partei hat das Erbe bereits angetreten – und ist nun Eigentümerin von zwei Geschäfts- und Wohnhäusern mitten in der Dannenberger Innenstadt.

Und es ist unklar, was die rechtsextremistische Partei beziehungsweise deren Niedersächsischer Landesverband damit vorhat. Auf entsprechende Anfrage reagieren die Rechtsextremisten nämlich nicht. Und daher befürchten in Dannenberg nun nicht wenige, dass die NPD in der Jeetzelstadt so etwas wie ein „Braunes Haus“ etablieren könnte. Eine Art Parteibüro, vielleicht mit Schulungs- oder Veranstaltungsraum und Wohnraum für Partei-Soldaten. Mitten in Dannenberg.

Doch das ist tatsächlich Spekulation. Fakt ist allerdings, dass die bisherige Mieterin von Geschäftsräumen in einem der beiden nebeneinanderstehenden Häuser bereits die Kündigung erhalten hat. „Jemand von der NPD war da, zeigte mir den bestätigten Erbschein und übergab mir die Kündigung“, berichtet Almuth Lange, die in der Langen Straße ihr Geschäft mit selbst designtem und gefertigtem Schmuck betreibt.

Lange hatte sich zuvor an die neue Eigentümerin des Gebäudes gewandt und etliche Mängel an der Gebäudesubstanz angezeigt, auch eine Mietminderung angedroht. „Jetzt haben die mich rausgeworfen“, sagt sie. Allerdings seien die NPD-Verantwortlichen auch nur ihrer eigenen Kündigung zuvorgekommen, sagt Lange: „Die Nazis würden von mir keinen Cent Miete bekommen.“

Wahrscheinlicher als die Eigennutzung ist allerdings, dass die rechtsextreme Partei ihre Dannenberger Immobilien einfach verkauft. Es gebe ernsthafte Interessenten, heißt es aus dem Dannenberger Rathaus, die durchaus auch einem Weiterbetrieb des derzeit dort ansässigen Schmuck- und Designergeschäftes positiv gegenüber eingestellt wären. Davon hat auch Almuth Lange schon gehört. „Das beruhigt mich ein wenig, denn das würde ja bedeuten, dass es hier keine NPD-Zentrale geben würde, und auch, dass ich vermutlich mein Geschäft weiterführen könnte“, sagt sie.

Offizielle Stellungnahmen zu der Tatsache, dass die Partei jetzt Eigentümerin zweier Geschäftshäuser in Dannenberg ist, sind schwierig. Die Werbegemeinschaft habe das Thema erörtert, erfährt man von Mitgliedern, aber als Institution könne man „kein Statement abgeben“, weil die Satzung „keine parteipolitische Arbeit vorsieht“, sagt Werbegemeinschafts-Vorsitzender Christian Willam. Die Stadt selbst hat die Erbschaft „zur Kenntnis genommen“, antwortet Stadtdirektor Jürgen Meyer (parteilos) auf eine entsprechende Anfrage während der jüngsten Ratssitzung. „Wir wissen das, und die Prüfungen laufen“, so Meyer. Und Bürgermeister Günther Voss (CDU) betont, dass „die Fraktionen das aufgreifen“ würden und man die Angelegenheit „sehr genau beobachten“ werde.

Die NPD hat in Lüchow-Dannenberg keinen sonderlich guten Stand und wohl auch keine feste Basis. Bei der Bundestagswahl im September wählten im gesamten Wahlkreis Lüchow-Dannenberg/Lüneburg mit seinen über 180 000 Wahlberechtigten gerade einmal 395 Menschen die Nationaldemokraten. In der Stadt Dannenberg waren es 13. Zum Vergleich: Die Tierschutzpartei konnte in Dannenberg immerhin 36 Wähler für sich begeistern, und selbst die Piraten-Partei kam noch auf 26 Stimmen.

Von Rouven Groß

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