Ein Jahr nach dem Feuer am Hagenskamp: Bewährungsstrafe für 41-Jährigen

Brandstifter hört Stimmen

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Die Feuerwehr verhinderte, dass die Flammen sich ausbreiteten.

Uelzen. Genau ein Jahr nach dem Feuer am Hagenskamp kam es gestern zum Prozess: Wegen schwerer Brandstiftung wurde ein 41-jähriger Mann vom Amtsgericht Uelzen zu anderthalb Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Zudem muss er 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Der Angeklagte gestand, am 18. Februar 2014 morgens um kurz vor fünf Uhr in seiner Ein-Zimmer-Wohnung am Hagenskamp und im Keller Feuer gelegt und dabei Brandbeschleuniger verwendet zu haben. Vorausgegangen seien dieser Tat ständige Differenzen mit den Hausbewohnern, die er wegen Lärmbelästigung angezeigt habe. Schließlich wurde ihm vom Vermieter gekündigt, und er stürzte in die Obdachlosigkeit. Bevor er die Wohnung verließ, steckte er die Kleidung, die er nicht mitnehmen konnte, in Brand. „Er wollte seine Sachen nicht in falsche Hände geben“, erklärte sein Verteidiger Rüdiger Proest. Dass das Haus abbrennen und die Bewohner verletzt werden könnten, habe der 41-Jährige nicht bedacht.

„Er ging davon aus, dass Beton nicht brennen kann“, berichtete auch der psychologische Gutachter Dr. Frank Wegener aus einem Gespräch mit dem Angeklagten. Der Sachverständige war nach einer ersten Verhandlung im September nun hinzugezogen worden. Für ihn wie für die Juristen stellte sich die Frage zum psychiatrischen Hintergrund, da der Angeklagte sagte, er höre „ab und an“ Stimmen. Bei der Brandstiftung habe der 41-Jährige jedoch aus Wut und Frustration gehandelt, nicht weil ihm etwa innere Stimmen dies vorgegeben hätten. „Ich halte es für nicht wahrscheinlich, dass er zum Zeitpunkt der Tat unter einer akuten Schizophrenie stand“, sagte Wegener. Er geht von einer „kriminellen Motivation“ aus. Mit einer Wiederholungsgefahr sei aber nicht zu rechnen.

Etwa 60 Feuerwehrleute hatten bei dem Vorfall vor einem Jahr ein Ausbreiten der Flammen auf den Dachstuhl verhindern können (AZ berichtete). Die Hausbewohner konnten sich aus dem Gebäude retten, zwei von ihnen wurden wegen Verdachts auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht.

Von Diane Baatani

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